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Begriffe von A-Z

Gebärdensprache

Gebärdensprachen sind vollwertige und eigenständige Sprachsysteme. Die in verschiedenen Ländern und Regionen sehr unterschiedlichen Gebärdensprachen zeichnen sich durch eine eigene Grammatik und einen umfangreichen Wortschatz aus. Die Kommunikation erfolgt über Gebärden, Mimik, Körperausdruck und tonlos gesprochene Worte. Der Aufbau von Sätzen unterscheidet sich grundlegend vom lautsprachlichen Satzaufbau. Satzarten wie Frage- oder Aussagesatz werden mimisch markiert. Beziehungen zwischen Satzteilen (Subjekt, Objekt) werden durch die Bewegungsrichtung der Verbgebärde dargestellt. Durch die Benutzung der Gebärdensprache hat sich eine eigene Gehörlosenkultur entwickelt.

Die Bezeichnung „taubstumm“ ist falsch und wird von gehörlosen Menschen als diskriminierend abgelehnt, da das Wort suggeriert, sie seien stumm. Richtig ist es, die Bezeichnung „gehörlos“ zu verwenden, denn gehörlose Menschen können sprechen, aber nicht hören, was sie sagen. Sie können sich in Gebärdensprache verständigen und verstehen sich als Angehörige einer Sprachminderheit. In vielen Staaten, z. B. in Deutschland, Slowenien und jüngst auch in Österreich, wird die Gebärdensprache bereits als Minderheitensprache anerkannt. Diese gesetzliche Anerkennung bedeutet, dass gehörlose Menschen ein Recht auf Informationen in ihrer Muttersprache erhalten. Das erhöht die Chancen in Alltag, Ausbildung und Berufsleben. Derzeit sind gehörlose Personen in Österreich im Zugang zu Information stark benachteiligt.

Einen großen Fortschritt bedeutet die Übersetzung der täglichen Nachrichtensendung ZIB 1 in Österreichische Gebärdensprache seit Juli 2004, die über digitales Satelliten- und Kabelfernsehen empfangen werden kann. Kindersendungen in Österreichischer Gebärdensprache oder die vollständige Untertitelung von Filmen stehen auf der Wunschliste vieler gehörloser Personen. Mit zugänglichem Informationsmaterial und einem reformierten Bildungssystem könnte die Bildungssituation und damit auch die Kenntnis im gesprochenen und geschriebenen Deutsch gehörloser Kinder maßgeblich verbessert werden. Um Informationen im Internet auch für gehörlose Personen barrierefrei zugänglich zu machen, können heute technisch problemlos Videos in Gebärdensprache implementiert werden. Viele Websites mit Gebärdensprachvideos gibt es aber in Österreich noch nicht.

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