Service | Kommunikative Kanäle

Wer schon einmal an der erfolgreichen Programmierung seines Videorecorders gescheitert ist, wird bestätigen, dass verständlich geschriebene Betriebsanleitungen eher die Ausnahme als die Regel sind. Wichtige Informationen werden oft in komplizierte Texte verpackt und sind damit für manche Personengruppen völlig nutzlos. Menschen mit Lernschwierigkeiten etwa wollen sich informieren, benötigen dazu aber leicht verständliche Texte. Die Methode, Informationen in verständlichere Sprache zu übersetzen, heißt „Easy to Read“.

„Das ist alles viel zu kompliziert für dich!“ Diesen Satz hat Franz Hoffmann oft gehört. „Und ich habe mich geärgert. Denn ich will eigentlich selbstständig leben und nicht dauernd auf Hilfe angewiesen sein. Deshalb muss ich verstehen, worum es geht.“ Franz Hoffmann beschäftigt sich schon einige Jahre intensiv mit Easy to Read. Er arbeitet in einem Team in Wien, das Texte in leicht lesbare Fassungen bringt: „Ich ärgere mich über zu komplizierte und lange Dokumente. Vor allem ärgere ich mich, wenn wichtige Informationen in unendlich langen, komplizierten Texten richtig ‚versteckt’ werden. Texte sollen kurz und einfach sein. Sonst verstehe ich sie nicht. Und so wie mir geht es vielen Menschen!“

Die Methode „Easy to Read“ wurde entwickelt, um schriftliche Informationen, Literatur und das Angebot im multimedialen Bereich Personen zugänglich zu machen, die Lernschwierigkeiten haben, über ein geringes Sprachverständnis oder Lesevermögen verfügen. Laut einer Veröffentlichung der IFLA (International Federation of Library Associations) wird angenommen, dass die Personengruppe, die Informationen in „Easy to Read“ nützen würde, größer ist als jene, die Bücher liest. Um die Teilhabe und Mitbestimmungsmöglichkeiten von Menschen zu fördern und damit demokratiepolitischen Anforderungen Rechnung zu tragen, sind „Easy to Read- Versionen“ also von großer Bedeutung.

Webtipps:

Die internationale Nonprofit-Organisation Inclusion International tritt mit allen Mitgliedsorganisationen für gleiche Rechte und Chancen von Menschen mit Lernschwierigkeiten ein:
www.inclusion-international.org

Die europäische Vereinigung Inclusion Europe bietet auf der Website Informationen zum Thema Europäische Union und Rechte für Menschen mit Lernschwierigkeiten in leicht lesbarer Sprache sowie die Europäischen Richtlinien für leichte Lesbarkeit:
www.inclusion-europe.org

Das Schwedische „Zentrum für Leicht-Lesbares“ (Centrum for Lättläst) gibt im LL-Verlag Bücher verschiedenster Genres in leicht lesbarer Sprache heraus. Wöchentlich erscheint die Zeitschrift 8 SIDOR (8 Seiten). Sie bietet aktuelle Nachrichten aus dem In- und Ausland und informiert über Kultur und Sport in leicht verständlicher Form:
www.llstiftelsen.se

Auch in Staaten wie Finnland, den Niederlanden, Belgien, den USA und Norwegen werden leicht verständliche Nachrichten-Magazine produziert. Eine Übersicht über Angebote, die sich auch an Leser- Innen mit anderen Muttersprachen richten, finden sich auf dem norwegischen Onlineportal von Klar Tale unter:
www.klartale.no/lettlesteaviser.asp

Deutschsprachige Bücher, Videos und andere Materialien in leicht verständlicher Sprache sind über das Netzwerk People First Deutschland erhältlich:
www.people1.de

In Österreich ist der Verein atempo eine Anlaufstelle für Easy to Read. Der Verein vergibt das Gütesiegel für Leicht verständliche Information LL und informiert auf der Website unter der Rubrik Capito:
www.atempo.at

Auch MAIN_Medienarbeit Integrativ befasst sich mit Easy to Read-Texten:
www.mainweb.at


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Wien 2005