Worauf im alltäglichen Sprachgebrauch zu achten ist, um sprachliche Diskriminierung zu vermeiden, zu minimieren oder zu unterbinden:
Verzichten Sie auf Bezeichnungen, Begriffe oder Umschreibungen für andere Menschen oder Gruppen, die durch die Erinnerung an frühere oder durch aktuelle Kontexte der politischen und/oder gesellschaftlichen Diskriminierung als Schimpfwort oder sprachliches Feindbild bekannt sind.
Verwenden Sie kein historisch belastetes Sprachgut, wenn Missverständnisse der Bedeutung erwartbar sind. Beharren Sie dabei nicht auf Ihrer Privatbedeutung. Wichtig ist letztlich nicht, was Sie „eigentlich“ gemeint haben, sondern, was andere darunter verstehen könnten.
Machen Sie sich „(unmiss-)verständlich“!Reflektieren Sie das scheinbar „so normale“ Vorhandensein von Vorurteilen in der Gesellschaft! Achten Sie darauf, dass vorurteilshafte Sprachmuster nicht auch zu (scheinbar) unveränderbaren Denkmustern und Welterklärungsmodellen werden! Sprachliche Vorurteile sind feindselige Vereinfachungen des menschlichen Tuns und Handelns.
Bilden Sie keine Gruppenunterschiede, die für den eigentlichen Kommunikationszweck unrelevant sind und nur Distanzen und Differenzen aufbauen. Vermeiden Sie daher (Gruppen-) Bezeichnungen, die andere beleidigen und ausgrenzen.
Vermeiden Sie in Gesprächen mit Menschen fremder Herkunft die allzu ausgiebige Wiedergabe bekannter Klischees und Stereotypen über die vermeintlich „typischen Charakteristika“ dieser Menschen oder ihres Herkunftslandes. (Alle) Menschen wollen üblicherweise und zuerst einmal als autonome Individuen wahrgenommen und behandelt werden und nicht als anonymer, gesichtsloser Bestandteil eines Klischees oder Vorurteils, das man über ein Volk, eine Nation, ein Land, eine gesellschaftliche Gruppe etc. hat.
Seien Sie respektvoll und bewahren Sie höfliche Distanz gegenüber Ihnen fremden KommunikationspartnerInnen. Behandeln Sie Menschen einfach mit der entsprechenden Höflichkeit, die in unserer Gesellschaft nicht näher bekannten Personen üblicherweise entgegengebracht wird. Vermeiden Sie Äußerungen, die – wenn auch gut gemeint – von anderen als entmündigend oder bevormundend aufgefasst werden könnten. Fragen Sie lieber vorher, ob besondere Hilfe benötigt oder erwünscht ist.
Verwenden Sie neutrale Ersatzformen für Sprachformen, von denen Sie annehmen, dass sie verletzen oder diskriminieren. Wenn Sie nicht sicher sind, ob Ihr Sprachgebrauch (potentiell) diskriminierend ist, dann fragen Sie einfach die Betroffenen.
Ändern Sie gegebenenfalls Ihr sprachliches Verhalten. Von den Betroffenen gewünschte (teils auch neue) Ersatzformen, etwa geschlechtssensible Formulierungen, können dazu beitragen, auf vorhandene Ungleichbehandlungen hinzuweisen und ein Bewusstsein dafür zu schaffen.
Quellenangabe:
Der Text und die Checkliste zum sensiblen Sprachgebrauch sind Auszüge
aus unveröffentlichten Vorarbeiten zu einer Broschüre, die Bernd
Matouschek im Auftrag des Bildungsministeriums erstellt hat:
Bernd Matouschek: Macht und Sprache. Handreichungen für Multiplikator/innen.
Herausgeber: Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur, Wien 2001
Seitenanfang