Service | Künstlerische Spielräume

Im deutschsprachigen Raum wächst erst langsam das Interesse des Kulturbetriebs an den vielfältigen Produktionen von KünstlerInnen, die eine Behinderung haben. Länder wie die USA, Großbritannien, Holland oder Frankreich sind schon seit längerer Zeit aufgeschlossen gegenüber behinderten Kunst- und Kulturschaffenden, die sich nicht in erster Linie über ihre Behinderung, sondern vor allem über ihre künstlerische Arbeit definieren wollen. International ist die Vielzahl an Initiativen im Bereich Kunst und Behinderung unüberschaubar. Die hier ausgewählten Webtipps zu Initiativen und KünstlerInnen-Gruppen in Österreich und anderswo haben daher keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit.

Das Künstlerkollektiv sinnlos mit Sitz in Graz versteht sich nicht als „Behindertenprojekt“, sondern als Projekt, das die Methoden und Strategien der Beund Verhinderung im täglichen Leben, in der Gesellschaft und in der Kunst thematisiert.
www.sinnlos.st

Die Bilderwerfer sind eine österreichische Performancegruppe aus behinderten und nichtbehinderten KünstlerInnen, die mit innovativen Ausdrucksformen an der Schnittstelle von Tanz, Theater, Visual Art, Architektur, neue Medien und elektronischer Musik experimentiert.
www.bilderwerfer.com

Die Londoner Künstlerin Ju Gosling, alias ju90, befasst sich mit multimedialen, vorwiegend webbasierten, wissenschaftlichen und künstlerischen Projekten, die ihr internationale Anerkennung eingebracht haben. Auf ihrer Website erforscht sie die soziale Konstruktion von Behinderung mittels der Aktionskunst. Die ausgebildete Tänzerin sitzt seit einem Autounfall 1997 im Rollstuhl und thematisiert in ihren Installationen und Performances die Bewegung des behinderten Körpers. So ist ihr Programm Wheels on Fire eine künstlerische Reflexion über Rollstühle und präsentiert heiße, tanzende Räder.
www.ju90.co.uk

Die Abteilung Gehörlosentheater von ARBOS, der Gesellschaft für Musik und Theater in Salzburg-Wien-Klagenfurt, betreibt seit 1993 das einzige professionelle Gehörlosentheater in Österreich. Gespielt wird für gehörloses und hörendes Publikum.
www.arbos.at

Mit kritischem Theater wartet das Wiener Ensemble proARTE auf. Zu den Produktionen zählt etwa der „Tanz im Narrenturm“. In dieser Erzählung sucht ein krankes Wesen, genannt der Kobold, nach einem Überlebensweg und konfrontiert sich mit einem Arzt. Es entwickelt sich ein Gespräch zwischen Macht und Ohnmacht, ein Tanz auf dem Glatteis der Schöpfung. Mit Stücken wie diesem will proARTE den Dialog zwischen behinderten und nichtbehinderten Menschen fördern.
www.tanzimnarrenturm.at.tf

Das Salzburger Theater ecce ist ein Verein von Theaterschaffenden aller Sparten. Ziel ist sinnliche, leidenschaftliche, körperbetonte, musikalische, kulinarische, im weitesten Sinne politische Theaterarbeit. Einen besonderen Schwerpunkt bildet die Arbeit mit beeinträchtigten Gesellschaftsgruppen. Der Begriff der „sozialen Skulptur“ spielt eine zentrale Rolle.
www.theater-ecce.com

Im Berliner Theater Thikwa (hebräisch für Knoten oder Hoffnung, etwas zu lösen) sind seit 1990 DarstellerInnen mit unterschiedlichen Behinderungen tätig. Gemeinsam mit SchauspielerInnen, TänzerInnen und RegisseurInnen erarbeiten sie professionelle Aufführungen in den Grenzbereichen von Schauspiel, Performance, Musik, Sprache und Tanz. Im Vordergrund steht die Arbeit am künstlerischen Ausdruck. „Thikwa stellt Schauspieler vor und keine Behinderten aus“, heißt es auf der Website.
www.thikwa.de

DIN A 13 heißt eine Kölner Tanzcompany, welche die körperlichen Besonderheiten ihrer Mitglieder gezielt als Ausdrucksmittel einsetzt. Die ZuseherInnen werden dazu angeregt, ihre Vorstellung von Schönheit der Bewegung zu überdenken.
www.din-a13.de

Ohrenkuss ist ein deutsches Magazin, das sich mit Kunst, Mode, Lifestyle und anderen schönen Sachen beschäftigt und von Männern und Frauen mit Downsyndrom gemacht wird.
www.ohrenkuss.de

Station 17 ist eine bekannte Hamburger Theatertruppe und Band von ProfikünstlerInnen mit und ohne Behinderungen. Ziel der Arbeit sind künstlerische Produktionen (CDs, Musikshows, Theateraufführungen), die sich in der „normalen“ Kulturszene behaupten können.
www.station17.net

Die Londoner Musik und Theater Company Heart ’n Soul ist berühmt für ihre Rock- und Soulsongs und ihre mitreißenden Bühnenshows. Heart ’n Soul wurde 1986 am Londoner Albany Theater als musikalische Plattform zur Förderung von Menschen mit Lernschwierigkeiten gegründet und gilt heute als die professionellste integrative Rock- und Soulband.
www.heartnsoul.co.uk

Die Regierung heißt eine Schweizer Musik- und Theatergruppe, die seit 20 Jahren zusammenarbeitet. Fünf körperlich und intellektuell unterschiedlich behinderte und ein normalbehinderter Mann formieren das Sextett.
www.die-regierung.ch

Die Schlumper nennt sich eine Hamburger Künstlergruppe, zu der sich 1984 Männer und Frauen mit Lernschwierigkeiten zusammenschlossen, die sich den Arbeitsangeboten der Behinderten-Werkstätten verweigerten. 1993 wurde das Arbeitsprojekt „Schlumper von Beruf“ ins Leben gerufen: Die KünstlerInnen wurden angestellt und machten ihr Talent zum Beruf. Heute sind die Schlumper im Alter zwischen 20 und 80 Jahren im „normalen“ Kunstbetrieb etabliert. Ihre Werke werden für Kunst-Projekte, Plakate oder Plattencovers entliehen oder angekauft und für ihre individuelle Bildsprache bewundert.
www.schlumper.de

Der Verein Art Obscura in Mühlheim an der Ruhr fördert nach Eigendefinition die Kunst, die im Schatten der Öffentlichkeit steht, und möchte diese ans Licht der Öffentlichkeit bringen. Zu den Aktivitäten zählen Theaterproduktionen, das jährliche Art Obscura-Festival und andere integrative Kunst- und Kulturprojekte von und für Menschen mit Behinderungen, wie etwa ein Mail Art Projekt zum Thema Flying Wheelchairs.
www.art-obscura.de

Die Werke der Gugginger Künstler zählen zur so genannten „Art Brut“ und sind heute international bekannt. Gefördert wurde diese Kunstrichtung in Österreich seit Ende der 1950er Jahren durch den Psychiater Leo Navratil. Er machte die Zeichnungen, Malereien und literarischen Arbeiten von PatientInnen des Psychiatrischen Krankenhauses in Maria Gugging im Kunstbetrieb bekannt. Das 1981 von Navratil gegründete „Zentrum für Kunst- und Psychotherapie“ heißt heute „Haus der Künstler“ und dient als Wohnhaus, Atelier, Galerie und Kommunikationsraum zur Förderung des Kunstschaffens von Menschen mit Psychiatrie-Erfahrungen.
www.gugging.org

„Mitleid verbeten“ war von Anfang an die Parole der Vereinigung der Mund- und Fußmalenden Künstler in aller Welt (VDMFK) – ein Motto, das in dieser Selbsthilfeorganisation bis heute konsequent gelebt wird. Seit mehr als 45 Jahren unterstützt sie KünstlerInnen, die (wegen einer Behinderung oder Krankheit) ihre Kunstwerke nicht mit den Händen, sondern mit dem Mund oder den Füßen erschaffen.
www.vdmfk.com

EUWARD ist der erste europäische Kunstpreis für Malerei und Grafik von KünstlerInnen mit Lernbeeinträchtigungen.
www.euward.de

XPO-ONLINE.NET ist eine Galerie, die online die Arbeit von KünstlerInnen mit Lernbehinderungen aus Europa ausstellt (in Deutsch und Englisch).
http://xpo-online.net

Der Hamburger Verein KUNSTWERK setzt sich für die Interessen behinderter Kulturschaffender in Norddeutschland ein.
www.kunstwerk-hamburg.de
KUNSTWERK betreibt seit 1998 die Krumme Hunde Post, die sich als ein Forum zur Vernetzung und zum Austausch von behinderten KünstlerInnen versteht.
www.krumme-hunde.de

Das deutsche Netzwerk Eucrea fördert und vermittelt behinderte KünstlerInnen und führt künstlerische Events, Festivals und Tagungen zum Thema Kunst und Behinderung durch.
www.eucrea.de


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