Kommunikative Kanäle

Kommunikation in ihren unterschiedlichen Formen ermöglicht neben Informationsaustausch auch den Ausdruck der eigenen Individualität. Werden Menschen aus dem Kommunikationsprozess ausgeschlossen, kommt das einem Ausschluss aus der Gesellschaft gleich. Verschiedenste Arten der Kommunikation zu nutzen und anzuerkennen, fördert nicht nur die Verständigung, sondern trägt auch zu Gleichstellung und Demokratisierung bei.

Kommunikation ist ein Mittel zum Austausch des Menschen mit seiner Umwelt. Die Möglichkeit zu kommunizieren ist somit eine Grundbedingung für die aktive Gestaltung der Wirklichkeit und für eine selbstbestimmte Teilhabe an der Gesellschaft. Die Formen von Kommunikation und medialen Ausdrucksmöglichkeiten, die eine Gesellschaft zur Verfügung stellt und damit einen öffentlichen Diskurs ermöglicht, sagen viel darüber aus, welche Menschen, Ideen und Handlungen in einer Gesellschaft erwünscht sind. In diesem Zusammenhang sollte der gesellschaftliche Umgang mit behinderten Menschen, mit anderen so genannten Randgruppen oder auch mit KünstlerInnen gesehen werden, denen nicht selten ihre öffentlichen Ausdrucksmöglichkeiten verwehrt sind.

Kommunikation ist Bestandteil jeder Kultur. Kommunikation und Kultur bedingen einander und bringen einander hervor. Deutlich wird dies zum Beispiel anhand der Gebärdensprache, die die Grundlage der Gehörlosenkultur bildet.

Kommunikation ist der Zugang zur Welt. Unterschiedliche Medien können uns einen bestimmten Zugang zur Welt oder zur Information ermöglichen. Dabei kann es sich etwa um Sprache, Musik, Fotografie oder Kunst handeln. Nehmen wir beispielsweise an, wir sprechen unsere Sitznachbarin in der U-Bahn auf Deutsch an, um uns nach der nächsten Umsteigemöglichkeit zu erkundigen. Als Antwort erhalten wir nicht genauer bestimmbare verbale Äußerungen in einer für uns unverständlichen Sprache. Auf verbaler Ebene scheint Verständigung hier nicht möglich. Vielleicht gelingt sie aber über Körpersprache oder mit Hilfe einer kleinen Zeichnung. Der Erfolg von Kommunikation ist also auch davon abhängig, ob wir uns auf die Kommunikationsform unseres Gegenübers einlassen oder uns aufgrund unserer eigenen Kompetenzen darauf einlassen können.

Kommunikation ist mediale Interaktion. Die Zugänglichkeit von Medien ist für die volle Teilnahme am sozialen, kulturellen, wirtschaftlichen und politischen Leben von großer Bedeutung. Informationen aus dem Internet können blinden und sehschwachen Menschen mittels technischer Hilfsmittel, wie beispielsweise einer Braillezeile, zugänglich gemacht werden. Das eröffnet völlig neue Perspektiven. Plötzlich werden Zeitung lesen oder Briefverkehr via Mail zur Selbstverständlichkeit. Hörbücher stellen eine nicht nur für blinde und sehbehinderte Menschen interessante Alternative zu Printmedien dar. Und bemühte man sich bei Film und Fernsehen vermehrt um Audiodeskription für sehbehinderte Menschen oder um Untertitelungen für gehörlose Menschen, wäre ein weiterer Schritt in Richtung eines gleichberechtigten kulturellen Zugangs getan.

Kommunikation ist, sich durch Hilfsmittel mitzuteilen. So setzt beispielsweise das Konzept der „Unterstützten Kommunikation“ unterschiedliche Kommunikationsformen ein, die gesprochene Sprache unterstützen, ergänzen oder ersetzen, um Menschen, die aufgrund einer Behinderung nicht sprechen können oder gesprochene Sprache nur schwer verstehen, Verständigung zu ermöglichen. Dazu gehören elektronische Kommunikationsmittel, bestimmte Formen der Gebärdensprache und verschiedene Bilder- und Zeichensysteme. Das Braille-System dient blinden und sehbehinderten Personen zur Verständigung in schriftlicher Form. „Easy to Read” wiederum erleichtert Menschen mit Lernschwierigkeiten das Lesen, Schreiben und Verstehen von Texten.

Kommunikation ist aktive Gestaltung von Medien. Je mehr Menschen die Möglichkeit haben, sich an Kommunikations- und somit an gesellschaftlichen Prozessen zu beteiligen, desto vielfältiger und demokratischer ist auch die Kultur, in der sie leben. Da es insbesondere die Medien sind, die Kommunikationsprozesse mitgestalten, scheint sowohl eine barrierefreie Mediengestaltung als auch die Zugänglichkeit zu Medienberufen und damit zur Medienproduktion von großer Wichtigkeit.


Literaturtipp:

Faßler, Manfred: „Was ist Kommunikation?“ 2. Auflage. Wilhelm Fink Verlag, München 2002


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Wien 2005