Service | Sprachliche Zugänge

... an den Rollstuhl gefesselt
ist unangebracht, da sich Personen im Rollstuhl nicht als „gefesselt“ empfinden. Für sie steht der Rollstuhl für Mobilität. Das Wort „Fessel“ löst Assoziationen zu „Gefängnis“ aus und erweckt bei nichtbehinderten Menschen Ängste. Stattdessen kann einfach gesagt werden: „Einen Rollstuhl benutzen“ oder „auf den Gebrauch eines Rollstuhls angewiesen sein“.

... an einer Behinderung „leiden“
suggeriert Leid und Mit-Leid. Behinderte Menschen leiden aber meist nicht an ihrer Behinderung, sondern an der Umwelt, die sie behindert. Besser ist es, neutral festzustellen, dass eine Person „eine Behinderung hat“ oder „mit einer Behinderung lebt“.

... die Behinderten
wirkt diskriminierend, weil die Verallgemeinerung behinderte Menschen in erster Linie über ihre körperliche Eigenart definiert und als homogene Gruppe konstruiert. Tatsächlich gibt es eine Vielzahl an verschiedenen Menschen und Behinderungen. In der deutschen Sprache sind die Ausdrücke „behinderte Menschen“ oder „Menschen mit Behinderungen“ politisch korrekte Bezeichnungen oder einfach konkret: der „behinderte Mann“, die „behinderte Journalistin“ usw.

... Handicap
ist zwar ein beliebter Ausdruck, aber problematisch. Handicap wird in Großbritannien als beleidigend empfunden, da es an „cap in the hand“, also an Betteln „mit der Mütze in der Hand“ erinnert.

... taubstumm
wird von gehörlosen Menschen abgelehnt, da der Ausdruck suggeriert, dass sie stumm sind. Das ist falsch. Richtig ist es, von Gehörlosigkeit zu sprechen. Gehörlose Menschen können sprechen, aber nicht hören, was sie sprechen. Sie können sich in Gebärdensprache verständigen und verstehen sich als Angehörige einer Sprachminderheit.


Unbedingt zu vermeiden sind auch:
Zwerg, Liliputaner → ist kleinwüchsig
Spastiker → hat Cerebralparese
Wasserkopf → hat einen Hydrocephalus
Mongoloid → hat Down-Syndrom, hat Trisomie 21
schwachsinnig, debil, geistig behindert → Menschen mit Lernschwierigkeiten


Literaturtipps:

Buch der Begriffe. Ein Wörterbuch zu Sprache, Behinderung und Integration.
(Hg. Beate Firlinger / Integration: Österreich, Wien 2003).
Download:
Broschürenservice des Bundesminsteriums für soziale Sicherheit, Generationen und Konsumentenschutz:
http://broschuerenservice.bmsg.gv.at

Sprechen und Schreiben über Behinderung.
Ein Ratgeber der Grazer Beratungsstelle Bunte Rampe, der 2003 in der Zeitschrift BEHINDERTE veröffentlicht wurde:
www.behindert.or.at


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