Das Medium Radio ist für Menschen, die besonders auf den Hörsinn angewiesen sind, das ideale Medium. Es bietet die Möglichkeit, Informationen für Menschen mit Leseschwäche oder für blinde HörerInnen zugänglich zu machen. Auch für den Alltag von nichtbehinderten Personen bringt es Vorteile. Wir nutzen das Radio bei Tätigkeiten, bei denen unser Sehsinn anderweitig in Anspruch genommen ist, etwa beim Autofahren oder bei der Hausarbeit. Auch gehörlosen Interessierten erleichtern heute technischer Fortschritt, Digitalisierung und die Verknüpfung von Bild-, Schrift- und Tonmedien den Zugang zu den Informationskanälen des Hörfunks.
Das „neue“ Medium Radio
Oft wird vom „alten“ Medium Radio gesprochen. Doch das Radio hat sich in den letzten Jahrzehnten gehörig gewandelt. Das Internetradio ist nur ein Beispiel für die Verknüpfung von neuem und altem Medium. Diese Entwicklung eröffnet neue Perspektiven für alle UserInnen: Auf ihren Websites bieten viele Radiosender Transkriptionen oder schriftliche Zusammenfassungen von Sendungen an. Damit können sich auch hörbehinderte Menschen über die Inhalte von Radioprogrammen informieren. Manche Stationen stellen auch vereinfachte Texte für Menschen mit Lernschwierigkeiten ins Web. So zum Beispiel die österreichische Sendeleiste Freak Radio, die auf Mittelwelle und im Internet zu hören ist. Das Radio wird in diesem Sinn „barrierefreier“. Von den technischen Möglichkeiten her könnte die Entwicklung viel weiter gehen. Satelliten-Radioprogramme, die über den Fernseher oder den Computer empfangen werden können, verfügen über eine Textspalte, die derzeit nur dazu genutzt wird, um die aktuellen Sendungen anzukündigen. Theoretisch wäre es auch möglich, dort eine Untertitelung von Radiosendungen für gehörlose Menschen in Echtzeit durchzuführen. Außerdem bietet das Radio im Internet auch die Möglichkeit, eine wechselseitige Kommunikation zu initiieren und durch MP3-Angebote von der zeitgebundenen Sendestruktur des Radios unabhängiger zu werden.
Hören statt Lesen
Durch das Radio werden blinde Menschen zu gleichberechtigten RezipientInnen. Deshalb gibt es spezielle Angebote von Blindenorganisationen. Informationen aus Zeitungen, Zeitschriften, Büchern etc. werden auf eigenen Radiostationen vorgelesen. In den USA gibt es solche Radiosender seit den späten 70er Jahren, etwa Sun Sounds of Arizona, das 1979 mit der Veröffentlichung von Druck-Texten begonnen hat und heute über Satelliten, das Web, Radio und Telefon seine Leistungen für mittlerweile mehr als 30.000 HörerInnen anbietet. Ähnlich strahlt WRBH – Reading Radio for the Blind and Print Handicapped in der Umgebung von New Orleans auf 88.3 FM gelesene Texte aus. Ausdrücklich wird hier im Namen des Radios auch auf Personen mit Leseschwäche verwiesen. Auch in Neuseeland, wo nach eigenen Angaben eine Million Einwohner NichtleserInnen („non readers“) sind, sendet RRS – Radio Reading Service rund um die Uhr auf drei Frequenzen. Verwandte Radio Reading Services gibt es auch in Australien und Kanada.
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