Taktile Kommunikation
Ein Weg zur Verständigung mit taubblinden Menschen ist das Lormen. Die Kommunikation erfolgt über ein Hand-Zeichen-System, bei dem die Symbole für die einzelnen Buchstaben in die Hand geschrieben werden. Sehbehinderte Personen, die auch gehörlos sind, können auch mittels taktiler Gebärden kommunizieren. Die Gebärden werden von dem/der KommunikationspartnerIn ertastet. Der/die „Zuhörende“ legt die Hände auf die des/der Sprechenden und führt dessen Gebärden mit aus.
Unterstützte Kommunikation
Menschen, die nicht sprechen können, eine mentale Behinderung oder Einschränkungen in ihren Bewegungsmöglichkeiten haben, benötigen andere Kommunikationsmittel, um sich der Umwelt mitteilen, am gesellschaftlichen Leben teilnehmen und damit selbstbestimmt leben zu können. Es gibt verschiedene Formen der Unterstützten Kommunikation. Die meisten bekannten Methoden verwenden verschiedene Symbolsysteme, durch die nonverbale Kommunikation ermöglicht wird. Diese Symbolsysteme umfassen ein bestimmtes Vokabular und haben eine bestimmte Struktur. Beispiel dafür ist etwa das Bliss-System.
In der Unterstützten Kommunikation werden
zunehmend technische Mittel eingesetzt. So können
Personen heute einen Computer mittels Augenlidschlag
oder einer kleinen Fußbewegung steuern.
Wenn der Cursor über Buchstaben oder Symbole
am Bildschirm läuft, kann er mittels einer Bewegung
an der gewünschten Position angehalten werden. Der
Computer kann dann über eine Sprachausgabe oder
einen Drucker Worte ausgeben. Aber auch das Internet
oder ein Türöffner können so bedient werden.
Die Internationale Gesellschaft für ergänzende und
alternative Kommunikation (International Society for
Augmentative and Alternative Communication) mit
Sitz in Toronto fördert Kommunikationsmöglichkeiten
für Menschen, die sich nicht ausreichend über Lautsprache
mitteilen können. Weiterführende Informationen
zu unterschiedlichen Kommunikationsformen
gibt es unter:
www.isaac-online.de
In Österreich entwickelt die Forschungsgruppe Informationstechnik
an der Technischen Universität
Wien technische Hilfsmittel für Unterstützte Kommunikation
aber auch andere intelligente Lösungen
für den Alltag von Menschen mit Behinderungen und
älteren Personen.
www.fortec.tuwien.ac.at
Visuelle Kommunikation – die Gebärdensprache
Gebärdensprachen sind vollwertige und eigenständige Sprachsysteme. Die in verschiedenen Ländern und Regionen sehr unterschiedlichen Gebärdensprachen zeichnen sich durch eine eigene Grammatik und einen umfangreichen Wortschatz aus. Die Kommunikation erfolgt über Gebärden, Mimik, Körperausdruck und tonlos gesprochene Worte. Der Aufbau von Sätzen unterscheidet sich grundlegend vom lautsprachlichen Satzaufbau. Satzarten wie Frage- oder Aussagesatz werden mimisch markiert. Beziehungen zwischen Satzteilen (Subjekt, Objekt) werden durch die Bewegungsrichtung der Verbgebärde dargestellt.
Durch die Benutzung der Gebärdensprache haben gehörlose Menschen eine eigene Gehörlosenkultur entwickelt. In vielen Staaten, z.B. in Deutschland und Slowenien, wird die Gebärdensprache bereits als Minderheitensprache anerkannt. Diese Anerkennung bedeutet, dass gehörlose Menschen ein Recht auf Informationen in ihrer Muttersprache erhalten. Das erhöht die Chancen im Alltags- und Berufsleben. Derzeit sind gehörlose Personen in Österreich im Zugang zu Information extrem benachteiligt. Einen großen Fortschritt bedeutet die Übersetzung der täglichen Nachrichtensendung ZIB 1 in Österreichische Gebärdensprache seit Juli 2004. Empfangen kann sie allerdings nur über digitales Satelliten- und Kabelfernsehen werden. Kindersendungen in Österreichischer Gebärdensprache oder die vollständige Untertitelung von Filmen stehen auf der Wunschliste vieler gehörloser Personen. Mit zugänglichem Informationsmaterial und einem reformierten Bildungssystem könnte die Bildungssituation und damit auch die Kenntnis im gesprochenen und geschriebenen Deutsch gehörloser Kinder maßgeblich verbessert werden.
Neue technologische Entwicklungen bieten die Möglichkeit, neben Text auch visuelle Informationen zu transportieren. Lukas Huber, Leiter der ÖGLB-Kommission Medientechnik und Mitglied der ARGE Barrierefreie Medien, weist darauf hin, dass es recht einfach wäre, auf einer Bedienungsanleitung auf CD-ROM auch ein Gebärdensprach-Video anzubieten.
Für bessere Kommunikation im öffentlichen Raum sind visuelle Signale notwendig. Wenn beispielsweise ein lauter Alarm ertönt, müsste dieser gleichzeitig durch eine Lichtglocke angezeigt werden. Für die direkte Kommunikation über Telefon, die in Notfällen lebenswichtig sein kann, wird in den USA ein so genanntes Schreibtelefon angeboten. In Österreich wird ein Telefonvermittlungsprojekt vorbereitet. Gehörlose sollen ihre Nachricht in Gebärdensprache über Video-Relay an eine Telefonvermittlung übertragen können, die dann das Telefonat für sie erledigt.
Das Internet ist ein sehr beliebtes Medium unter jungen gehörlosen UserInnen. Die technischen Möglichkeiten, die ihnen die Rezeption von Information erleichtern würden, werden aber noch zu wenig genutzt. Gebärdensprachvideos könnten problemlos implementiert werden. Auch erklärende Grafiken oder Bilder würden das Lesen erleichtern. Um das Web für gehörlose Personen barrierefrei zugänglich zu machen, bedarf es derzeit noch menschlicher Arbeit. In Zukunft könnten aber Avatare als virtuelle GebärdensprachdolmetscherInnen fungieren. Diese Übersetzungssoftware könnte dann auch in Ämtern eingesetzt werden.
Webtipps:
Onlinelexikon für Österreichische Gebärdensprache:
www.sign-it.at
MUDRA ist ein Lexikon für Österreichische Gebärdensprache
auf CD-ROM. Es bietet Unterstützung beim
Erlernen der Gebärdensprache und ist auch in einer
Spezialversion für Kinder erhältlich.
www.mudra.org
Webportale für gehörlose Personen in Österreich:
www.gehoerlos.at und die Website des ÖGLB
(Österreichischer Gehörlosenbund) mit Videos
in Gebärdensprache:
www.oeglb.at
Die Arbeitsgemeinschaft Barrierefreie Medien
beschäftigt sich mit dem Zugang zu Informationsund
Kommunikationstechnologien für hörbehinderte
Personen. Sie ist ein Zusammenschluss gehörloser
und schwerhöriger Personen aus Österreich, Deutschland
und der Schweiz. Die ARGE Barrierefreie Medien
untersucht Produkte auf Visualisierbarkeit durch
Untertitel oder Gebärdensprache. Bereiche sind z.B.
Handy, Telefon, Fernseher, DVD-Player und Video-
Rekorder, TV-Karten oder Software. Ziele und
Forderungen der ARGE stehen unter:
www.gehoerlos.at/argemedien/
Im wissenschaftlichen Bereich sind Institute an zwei österreichischen Universitäten tätig. Sie beschäftigen sich mit der sprachwissenschaftlichen Grundlagenforschung, sozialwissenschaftlichen Fragen und der Ausbildung zum/r Österreichischen GebärdensprachdolmetscherIn. In Projekten werden etwa Lernsoftware, Lexika und technische Hilfsmittel entwickelt.
Klagenfurt: Zentrum für Gebärdensprache und
Hörbehindertenkommunikation:
www.uni-klu.ac.at/zgh/
Graz: Institut für technische und angewandte
Translationswissenschaft, Arbeitsgruppe für
Gebärdensprache und Gehörlosenkultur:
www-gewi.kfunigraz.ac.at/uedo/signhome/
Mediale Kommunikation
Das gute alte Buch ist erstens noch immer nicht aus
der Mode gekommen und zweitens ist das Buch heute
nicht nur zum Lesen, sondern auch zum Hören da.
Früher war das Hörbuch nur ein Nischen- und
Spezialprodukt für blinde und sehbehinderte
Leseratten. Heute bieten viele Verlage Hörbücher auf
Kassette und CD oder im mp3- oder dem neuen
DAISY-Format im Handel an. Das Angebot an
Zeitungen und Magazinen zum Hören ist derzeit im
deutschsprachigen Raum noch klein. Informationen
zum Thema Hörbuch bietet Blickkontakt unter:
www.service4u.at/blickkontakt/hoerbuch.html
Eine Übersicht über Hörbuchangebote und
Hörzeitschriften auch in englischer Sprache findet
sich unter:
www.audible.de
Das Hörmagazin Kompakt erscheint monatlich und
bietet auf einer CD ausgewählte Beiträge verschiedener
Print-Magazine.
www.audiomagazine.de
Wer gedruckte Informationen in Braille-Schrift erstellen
lassen will, kann sich an den Österreichischen
Blindendruckverlag wenden:
www.bbi.at/deutsch/verlag.htm
Der Film als audiovisuelles Medium bietet Möglichkeiten,
Inhalte nur über den Hör- oder Sehsinn zu
transportieren. So können Filme vollständig untertitelt
werden, wie das auch bei Filmen im Originalton
gemacht wird. Eine andere Möglichkeit ist die Übersetzung
in Gebärdensprache, die gehörlosen Zuseher-
Innen ein Filmvergnügen in Muttersprache bietet.
Informationen zum Thema Fernsehen für gehörlose
und hörbehinderte Menschen gibt es unter:
www.service4u.at/links.php?nr=64
Im ORF ist das aktuelle Programm für untertitelte
Sendungen im Teletext oder im Web abrufbar:
http://teletext.orf.at/700/771_0001.htm
Ein Portal zum Thema Untertitelung und Gebärdenspracheinblendungen
in TV, Video und DVD ist
deaftv, das auch einen Überblick über das aktuelle
Fernsehprogramm mit Untertitelung bietet.
www.deaftv.de
Für nichtsehende Filmfreunde kann Audiodeskription
oder Descriptive Video Services (DVS) Handlungen
oder Inhalte, die nur zu sehen sind, beschreiben. In
Österreich werden seit 2004 Sendungen mit Audiodeskription
angeboten. Aktuelle Programminformationen
zu Filmen mit Audiodeskription hat etwa eine
Website von Hörzu:
www2.hoerzu.de/text/tv-programm/index.php
Einen Überblick über Hörfilme auf Video, DVD und CD
sowie aktuelle Veranstaltungen und Aktivitäten zum
Thema Hörfilm bietet die Website:
www.hoerfilm.de
Neue Medien können mehr Zugänglichkeit schaffen.
Beispiel dafür ist die DVD, die es erlaubt, Informationen
unterschiedlichster Form zu speichern und
abzurufen. Diese Anwendungen werden allerdings
noch kaum genutzt und es bedarf innovativer
Lösungen, die ein barrierefreies Navigieren ermöglichen.
Das Zentrum für zugängliche Medien NCAM
(National Center for Accessible Media) in den USA
beschäftigt sich mit der Erstellung von Guidelines für
DVDs, CD-ROMs, E-Learning und der Erschließung von
Theatern und Kinos für Menschen mit unterschiedlichen
Behinderungen.
http://ncam.wgbh.org
Seitenanfang