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	<title>MAIN_web &#187; Literatur</title>
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		<title>Ohrenschmaus</title>
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		<pubDate>Mon, 05 Jan 2009 10:16:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Maria Putzhuber</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kommunikation]]></category>
		<category><![CDATA[Kultur]]></category>
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		<description><![CDATA[Am. 9. Dezember war die Preisverleihung f&#252;r den Literaturpreis Ohrenschmaus 2008. Und erst im Jahr darauf berichten wir dar&#252;ber. Das ist bestes Slow Blogging, obwohls blo&#223; am Zeitmangel liegt. Der von Franz-Joseph Huainigg initierte Preis f&#252;r Literatur von Menschen mit Lernschwierigkeiten wurde zum 2. Mal verliehen, im Museumsquartier, hochkar&#228;tig dekoriert mit Kulturministerin Schmied und Caritasdirektor [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Am. 9. Dezember war die Preisverleihung f&#252;r den Literaturpreis <a href="http://www.ohrenschmaus.net">Ohrenschmaus 2008</a>. Und erst im Jahr darauf berichten wir dar&#252;ber. Das ist bestes <span lang="en" xml:lang="en"><a href="http://toddsieling.com/slowblog/?page_id=10" >Slow Blogging</a></span>, obwohls blo&#223; am Zeitmangel liegt. Der von Franz-Joseph Huainigg initierte Preis f&#252;r Literatur von Menschen mit Lernschwierigkeiten wurde zum 2. Mal verliehen, im Museumsquartier, hochkar&#228;tig dekoriert mit Kulturministerin Schmied und Caritasdirektor Landau.</p>
<p>Ohrenschmaus ist ein sehr passender Titel. Die <a href="http://www.ohrenschmaus.net/texte_08/index.html">Siegertexte</a> eignen sich in ihrer Lakonie und Einfachheit besonders gut zum Vorlesen und sind ein kulinarisches Vergn&#252;gen. Gleich kann man aber auch kritisch anmerken, dass bei diesem Preis wohl die netten, kindlichen Genusstexte, die nicht anecken und nicht wehtun, die r&#252;hren und Sympathie wecken, bessere Chancen haben. </p>
<h3>Prosa</h3>
<p>In der Kategorie Prosa wurde ein schr&#228;ges M&#228;rchen ausgezeichnet: &#8220;Das gro&#223;e Herz&#8221; von Marek Janta: Der unheilbar kranke Prinz Marek muss einen Skikurs belegen, weissagt die Wahrsagerin des K&#246;nigshauses, um gerettet zu werden. Bis zur gl&#252;cklichen Eheschlie&#223;ung mit der sch&#246;nen Nadja, dem Hotelierst&#246;chterchen vom Skihotel Rumkokos, gibts gro&#223;e Verwirrungen, vertauschte Koffer, eine verlorene Krone, ein Safe voller Knallfr&#246;sche und eine b&#246;se Hexe, die sich vor Angst in Luft aufl&#246;st.</p>
<h3>Lebensberichte</h3>
<p>In der Kategorie Lebensberichte gewann J&#252;rgen Bonner den Preis mit &#8220;Ich bin J&#252;rgen, ein Genie&#8221;:<br />
Sehr plastisch beschreibt er seinen Bruder und seine Eltern &#8211; v&#246;llig simpel, nur durch das, was sie so tun. Ebenso lakonisch anschaulich werden diverse sportliche Aktivit&#228;ten und ein Discobesuch: </p>
<blockquote><p>&#8220;Da tanze ich mit den Frauen. Die blonden mit langen Haaren gefallen mir gut. Ich k&#252;sse ihre Hand. Ich bin  verklemmt und verknallt  und werde rot im Gesicht.&#8221; </p></blockquote>
<p>In S&#228;tzen wie diesem:</p>
<blockquote><p>&#8220;Mit dem Flugzeug bin ich lange &#252;ber die Welt geflogen. Brutal getraut hab ich mich.&#8221; </p></blockquote>
<p>entsteht das Bild eines jungen Mannes, der sich durch seine Behinderung eine unverdorbene reine Lebensfreude und einen ganz klaren Blick bewahrt hat. Das kindlich sonnige Gem&#252;t von geistig behinderten Menschen ist ein Klischee, aber in diesem Text wird es so erfrischend authentisch bedient, dass man es gerne glaubt. </p>
<h3>Lyrik</h3>
<p>Der Preis in der Kategorie Lyrik wurde  nicht vergeben, weil das beinahe daf&#252;r nominierte Gedicht von Astrid Lindgren abgeschrieben wurde. Eine <a href="http://www.ohrenschmaus.net/jury.html">gute Jury</a>  ist aber belesen genug, um sich nicht austricksen zu lassen: lauter renommierte AutorInnen, teils mit Kinder- und Jugendbuchpreisen ausgezeichnet, mit Felix Mitterer als Schirmherr und die Preistr&#228;ger des Vorjahres Andreas Burtscher und Herbert Offenhuber. </p>
<h3>Kein Mitleidspreis</h3>
<p>Der Anspruch des Ohrenschmaus ist auch, kein Ghettopreis zu sein, sondern tats&#228;chlich Literatur auszuzeichnen. Was immer man unter Literatur versteht, eigenst&#228;ndige Texte jedenfalls, die einen besonderen Blickwinkel und besonderes Sprachgef&#252;hl zeigen, Texte, die von mehr als pers&#246;nlichem Interesse sind und Interpretationsspielraum lassen.</p>
<p>Unweigerlich messe ich die Siegertexte an der hintersinnigen Kurzprosa des S&#252;dtiroler Dichters <a href="http://www.georgpaulmichl.com/">Georg Paulmichl</a>.  Er ist der einzige etablierte Dichter mit geistiger Behinderung, den ich kenne. An seinen Sprachwitz kommt bislang keiner heran.</p>
<p>&#220;ber 100 Texte wurden eingereicht. Mein Favorit &#8220;Hektik&#8221; von Arnold Kozak hats nur auf die &#8220;Ehrenliste&#8221; gebracht, aber das wunderbare Gedicht sei hier zur G&#228;nze zitiert, weil sich sicher nicht nur Albert Einstein darin wiedergefunden h&#228;tte: </p>
<blockquote><p><span lang="en" xml:lang="en">&#8220;One lives all one´s life under constant tension until it is time to go for good&#8221;</span></p></blockquote>
<p>schreibt er in meinem Clokalender.</p>
<h4  class="center">Hektik</h4>
<blockquote class="center"><p>Man nimmt sich was vor, es gelingt nicht<br />
Hektik<br />
Man kauft ein, das Geld ist zu wenig<br />
Hektik<br />
Man ist froher Dinge, erf&#228;hrt etwas Ernstes<br />
Hektik<br />
Es ist ein Ausflug geplant, es sch&#252;ttet<br />
Hektik<br />
Es wird etwas gesucht, es l&#228;sst sich nicht finden<br />
Hektik<br />
Es ist eine flotte Wanderung, man landet im Sumpf<br />
Hektik<br />
Es wird gegessen, man patzt sich an<br />
Hektik<br />
Man bastelt, es wird defekt<br />
Hektik<br />
Es l&#228;uft das Fernsehprogramm, Bildausfall<br />
Hektik<br />
Man braucht Trost, es kommt Stress<br />
Hektik<br />
Man will liebensw&#252;rdig sein, es kommt Brutalit&#228;t<br />
Hektik<br />
Man tr&#228;umt, die Wirklichkeit ist ernst<br />
Hektik</p></blockquote>
<h3>Leiden an sich selbst</h3>
<p>Viele Texte beschreiben das Leiden an den eigenen Einschr&#228;nkungen, so z.B. das Gedicht &#8220;Ungeduld&#8221; von G&#252;nther Berger. Es wurde auf der Schleife der Zotter Schokolade abgedruckt, die f&#252;r den Ohrenschmaus  kreiert wurde:</p>
<blockquote><p>&#8220;Schade, dass ich im Rollstuhl sitze<br />
und ungeduldig warte,<br />
dass etwas mit mir passiert.<br />
Das macht mich Innen w&#252;tend<br />
und Au&#223;en m&#246;chte ich mit dem Rollstuhl<br />
gegen etwas fahren,<br />
aber ich kann es nicht.<br />
Ab und zu bin ich traurig<br />
und mein Herz klopft.<br />
Dann nehme ich den Zauberstab<br />
und hole den Sportler zu mir.<br />
Dann bin ich froh,<br />
dass der Sportler in meinen Gedanken ist,<br />
und so gute Tore schie&#223;en kann.<br />
Dann wird die Mauer zum Tor.&#8221;</p></blockquote>
<p>Bemerkenswert ist der Lebensbericht von Christian Aigner: &#8220;&#220;BER DAS HARTE LEBEN, WENN MAN SICH NICHT TRAUT&#8221;, der einen eigenartigen Abstraktionsgrad erreicht.<br />
Auf der Ehrenliste, der Shortlist f&#252;r den Preis, findet sich auch der Text von Martin Gr&#228;tzl. Er beschreibt nur in kurzen S&#228;tzen ein paar Fotos und macht damit aber eine ganze Lebensgeschichte vorstellbar. </p>
<h3>Authentische Texte mit Seele</h3>
<p>Der gr&#246;&#223;ere Teil der eingereichten Texten ist nicht literarisch, sondern pers&#246;nlich, alltagssprachlich, eher Kunstherapieprodukt als Kunst, auch einfach Zeugnis der Behinderung seiner AutorInnen. Es ist aber trotzdem interessant, diese Texte, besonders die Lebensberichte, zu lesen. Man erf&#228;hrt viel &#252;ber die Realit&#228;t und Wahrnehmungswelt von Menschen mit Lernschwierigkeiten, von schwierigen Lebensl&#228;ufen und durch die  Behinderung gepr&#228;gten Familienverh&#228;ltnissen, vom Leben und Arbeiten in gesch&#252;tzen Werkst&#228;tten, in Heimen und betreuten Wohnungen. </p>
<p>Spannend fand ich z.b. die wilde Lebensgeschichte von Oswald F&#246;llerer oder auch die Lebensberichte von Maria Altenberger, Andrea Hauck, Brigitte Riedl und Jasmin Skala. Arg ist der Text von Iris Grasel: &#8220;Mein Erlebnis im Spital&#8221;, eine Operationsodyssee mit dem lakonischen Fazit:</p>
<blockquote><p>&#8220;Das M&#246;dlinger Spital hat mich verpfuscht und ich mag das Spital nicht mehr. Ich rate jedem ab, der eine leichte Beeintr&#228;chtigung hat, dort hinzugehn.&#8221;</p></blockquote>
<h3>Literatur und Therapie, Emanzipation und Integration</h3>
<p>Der Literaturpreis Ohrenschmaus hat prim&#228;r die Funktion, Literatur zu k&#252;ren, von AutorInnen, die ansonsten aufgrund ihrer Behinderung wohl weniger bis keine &#214;ffentlichkeit bekommen w&#252;rden.</p>
<p>Er hat auch therapeutische Funktion. Viele der Texte sind unter kunsttherapeutischer Anleitung entstanden. Das ist gro&#223;artig, gut und wichtig, l&#228;sst einen aber auch &#252;ber Authentizit&#228;t, Lenkung, Zensur, Ehrgeiz von BetreuerInnen und Betreuten nachdenken. Der Text &#8220;Scheisse&#8221; von Reinhard Seisenbacher thematisiert die Produktionsbedingungen von Kunst in einer gesch&#252;tzten Werkst&#228;tte: </p>
<blockquote><p>SCHEISSE!</p>
<p>Mein Bild wurde ver&#228;ndert, ich bin erschrocken,<br />
ich &#228;rgere mich,<br />
vielleicht sollte ich mich nicht &#228;rgern,<br />
vielleicht sollte ich es auf die leichte Schulter nehmen.</p>
<p>Meine Bilder werden nicht verkauft, das setzt mich unter Druck,<br />
andere Bilder gehen besser,<br />
vielleicht sollte ich mich nicht unter Druck setzen lassen,<br />
vielleicht darf ich nicht so kompliziert denken&#8230;&#8230;</p></blockquote>
<p>Und nicht zuletzt hat der Preis emanzipatorische und integrative Funktion. Er gibt Menschen mit Lernbehinderung &#214;ffentlichkeit und ermuntert sie zur M&#252;ndigkeit. Und er gibt allen, die sich daf&#252;r interessieren, Einblick in Lebens- und Gedankenwelten, die ansonsten sehr abgeschottet von der Welt der &#8220;Normalen&#8221; sind.</p>
<p>Damit es den Ohrenschmaus auch dieses Jahr wieder geben kann, seien zum Schluss auch noch seine <a href="http://www.ohrenschmaus.net/partner.html">Sponsoren</a>  gelobt. Sie unterst&#252;tzen einen wichtigen Preis!</p>
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		<pubDate>Wed, 12 Mar 2008 19:33:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Beate Firlinger</dc:creator>
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		<title>Lesetipp: Krimi mit Geb&#228;rden</title>
		<link>http://www.mainweb.at/blog/2006/11/05/lesetipp-krimi-mit-gebaerden/</link>
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		<pubDate>Sun, 05 Nov 2006 09:31:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Beate Firlinger</dc:creator>
				<category><![CDATA[Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Gebärdensprache]]></category>

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		<description><![CDATA[Dies soll keine Rezension eines Fachbuches werden, sondern eine Leseempfehlung f&#252;r einen Roman, der einiges mit dem Thema &#8220;Barrieren in der Kommunikation&#8221; zu tun hat. Wenn auch nicht vordergr&#252;ndig. Es geht um &#8220;Talk Talk&#8221;, den aktuellen Thriller des amerikanischen Bestseller- und Kultautors T. C. Boyle.
Die Geschichte erz&#228;hlt von einer jungen Frau, deren Identit&#228;t gestohlen wurde, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Dies soll keine Rezension eines Fachbuches werden, sondern eine Leseempfehlung f&#252;r einen Roman, der einiges mit dem Thema &#8220;Barrieren in der Kommunikation&#8221; zu tun hat. Wenn auch nicht vordergr&#252;ndig. Es geht um &#8220;Talk Talk&#8221;, den aktuellen Thriller des amerikanischen Bestseller- und Kultautors T. C. Boyle.</p>
<p>Die Geschichte erz&#228;hlt von einer jungen Frau, deren Identit&#228;t gestohlen wurde, und zwar nicht im &#252;bertragenen Sinn, sondern ganz real. Sie wurde Opfer eines Betr&#252;gers, der mit ihrer Kreditkarte bezahlt, auf ihre Kosten in Saus und Braus lebt, in ihrem Namen Verbrechen begeht und &#252;berhaupt ihre ganze Identit&#228;t &#252;bernommen hat. Doch die Protagonistin ist k&#228;mpferisch. Sie will sich r&#228;chen und den T&#228;ter um jeden Preis finden. Eine wilde Verfolgungsjagd beginnt, ein spannendes Roadmovie, das die Figuren quer durch die Vereinigten Staaten treibt.</p>
<h4>Sprache und Identit&#228;t</h4>
<p>&#8220;Talk Talk&#8221; ist aber nicht nur ein Krimi &#252;ber Identit&#228;tsdiebstahl, sondern auch ein Roman &#252;ber Sprache und Identit&#228;t. Seine Hauptfigur, die junge Frau namens Dana Halter, ist Lehrerin an eine Geh&#246;rlosenschule und selbst geh&#246;rlos. Sie wird als eigenwillig und attraktiv beschrieben, als schwierige und selbstbewusste Pers&#246;nlichkeit, die sich nichts gefallen l&#228;sst und sich wehrt, wenn sie sich diskriminiert f&#252;hlt, weil sie geh&#246;rlos ist. Diese Erfahrung mit Diskriminierung zieht sich wie ein zweiter Film durch die Handlung, ebenso wie die Beschreibung der Kommunikation in Geb&#228;rdensprache.</p>
<p>Der Titel des Buches &#8220;Talk Talk&#8221; bezieht sich auf einen Ausdruck aus der amerikanischen Geb&#228;rdensprache, der American Sign Language (ASL), hei&#223;t es in der Vorbemerkung zum Roman. Auf Deutsch l&#228;sst sich das mit &#8220;geb&#228;rden&#8221; &#252;bersetzen und meint die Unterhaltung und Konversation von geh&#246;rlosen Menschen mit Handzeichen, Gestik und Geb&#228;rden. Wie der Autor erkl&#228;rt, habe er im Buch nicht versucht, die Geb&#228;rdensprache w&#246;rtlich in die Lautsprache zu &#252;bersetzen, sondern Gehalt und Bedeutung der Geb&#228;rden in einen gesprochenen Dialog zu &#252;bertragen.</p>
<h4>Gef&#252;hlswelt geh&#246;rloser Menschen </h4>
<p>Meist  gelingt es T. C. Boyle hervorragend, gesellschaftskritische Themen in zeitgem&#228;&#223;e, bissige Unterhaltungsliteratur zu verpacken. In diesem Fall hat er sich gewiss eingehend mit der Sprache und Kultur geh&#246;rloser Menschen in den USA befasst. Ob auch tiefgehend und sensibel genug, ist allerdings in den Kommentaren zu &#8220;Talk Talk&#8221; umstritten.</p>
<p>Manche KritikerInnen meinen, Boyle sei es nicht gelungen, in diesem Roman die Gef&#252;hlswelt seiner geh&#246;rlosen Heldin tats&#228;chlich erz&#228;hlerisch sp&#252;rbar zu machen. So hei&#223;t es etwa in einer <a title="Neues Fenster" href="http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/kritik/533746/" target="_blank">Rezension von Deutschlandradio Kultur</a> mit dem Titel &#8220;Roman ohne Thema&#8221;: „Wie stellt man eine Welt dar, die so gar nichts mit der eigenen Erfahrung zu tun hat? Boyles L&#246;sung ist einfach, allzu einfach: Talk Talk ist eben kein Buch &#252;ber das Leben und Erleben Geh&#246;rloser, sondern ein schlichter Thriller. Die Hauptfigur k&#246;nnte genauso gut auch blind sein oder ein Holzbein haben, so &#228;u&#223;erlich bleibt ihre Behinderung.“</p>
<p>Ich kann diese Kritik nicht uneingeschr&#228;nkt teilen, auch wenn der Roman insgesamt eher oberfl&#228;chlich bleibt und die Empathie nur in manchen Passagen nachvollziehbar wird. Mir hat &#8220;Talk Talk&#8221; trotzdem gut gefallen, weil es wirklich spannend und schnell zu lesen ist und auch gerade deshalb, weil es nicht ein Buch &#252;ber Geh&#246;rlosigkeit ist, sondern eben ein Krimi, in dem ausnahmsweise und zur Abwechslung einmal ein geh&#246;rlose Heldin im Zentrum des Geschehens steht. W&#252;rde mich interessieren, wie das andere sehen, die sich mit der Geb&#228;rdensprache auskennen und das Buch gelesen oder das Audiobook geh&#246;rt haben.</p>
<p>T.C. Boyle: Talk Talk<br />
Roman. Aus dem Amerikanischen von Dirk van Gunsteren.<br />
398 Seiten, Hanser Verlag, M&#252;nchen 2006<br />
ISBN: 3-446-20758-9</p>
<p>H&#246;rbuch: 4 CD im Digipak, gek&#252;rzte Lesung, Laufzeit ca. 300 Minuten<br />
Sprecher: Jan Josef Liefers, Lesefassung: Katja Semprich, Regie: Ralf Becher<br />
Aus dem Amerikanischen von Dirk van Gunsteren.<br />
Produktion: Der H&#246;rverlag / Rundfunk Berlin Brandenburg 2006</p>
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