Sie sind hier: MAIN web Home / MAIN blog / Artikel: Völkerkundemuseum neu

4. März 2009, von Michaela Mallinger

Völkerkundemuseum neu

Im November 2008 wurde das Wiener Museum für Völkerkunde neu eröffnet. Vor einigen Wochen habe ich es endlich geschafft, es zu besuchen. Einen zweiten Eindruck konnte ich mir davon dann am Welttag der Fremdenführer machen.

Große Erwartungen werden meist nicht erfüllt. So war es auch bei meinem ersten Besuch im Völkerkundemuseum. Erwartet hatte ich mir moderne Museumsgestaltung mit multisensorischen Gestaltungselementen. Vorgefunden habe ich ein renoviertes Gebäude, das – so weit ich das auf den ersten Blick beurteilen kann – ganz gut berollbar sein dürfte. Die Ausstellungen selbst bekamen in den Medien gute Kritiken. Doch für mich war es eigentlich nicht möglich, mich über Religionen Südostasiens oder Textile Kunst zu informieren. Die Ausstellung „Götterbilder“ ist zwar mit einem Audioguide ausgestattet, der aber leider für Leute, die die Nummern neben den Objekten nicht lesen können, nicht bedienbar ist. Die Objekte sind fast durchwegs in Vitrinen ausgestellt. Freistehend ist eine Götterstatue, die das Interesse meines kleinen Sohnes bereits im zarten Alter von 1 ½ Jahren geweckt hat.

Dieser erste Eindruck entstand bei einem spontanen Museumsbesuch. Im Nachhinein konnte ich in Erfahrung bringen, dass es sich um eine Teileröffnung des Hauses handelt. Die derzeitige Schau stellt nur einen ganz kleinen Teil des geplanten Ausstellungsbereiches dar. Vermutlich deshalb gibt es auch noch kein Besucherleitsystem, was mich auch etwas verwundert hatte.

Tastführung am Tag der Fremdenführer

Zufällig erfuhr ich dann von einer Tastführung, die am 20. Februar im Rahmen des Welttages der Fremdenführer im Völkerkundemuseum stattfinden sollte.

Dieses Angebot nahm ich gerne wahr und erwartete mir eigentlich eine Führung durchs Museum. Geboten wurden Einzel- und Kleingruppenführungen mit FremdenführerInnen zu Tast-Stationen mit Objekten aus verschiedenen Ländern.

Der Andrang war groß. Die vielen Besucherinnen und Besucher schienen sehr interessiert. Auch ich fand es äußerst spannend von einem persönlichen Guide von Station zu Station geführt zu werden und dort beispielsweise Textilien aus Afrika, Gerätschaften zur Maniokzubereitung aus Brasilien oder eine Statue aus Mexiko betrachten und betasten zu können. Außerdem konnte ein japanisches Saiteninstrument unter Anleitung einer professionellen Musikerin ausprobiert und belauscht werden.

Die FremdenführerInnen waren äußerst bemüht. Sie ermöglichten es, in andere Lebenswelten hineinzuschnuppern. Was mir gefehlt hat, war der Führungscharakter mit umfassenderen fachlichen Hintergrundinfos. In dieser Spezialführung konnten die Inhalte der laufenden Ausstellungen nicht vermittelt werden. Was natürlich auch nicht das Ziel war, was aber fehlt.

Alles ist offen

Mir scheint es gerade für ein Museum das sich mit anderen Kulturen beschäftigt und das Verständnis für diese vermitteln möchte notwendig, Barrieren im Zugang zu den eigenen Ausstellungen zu vermeiden und damit einen möglichst gleichberechtigten Zugang für Menschen mit unterschiedlichsten Bedürfnissen zu schaffen. Eine hervorragende Gelegenheit dazu würde sich mit der zukünftigen Neugestaltung des Museums bieten.

Einen Kommentar schreiben

top