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27. Januar 2009, von Beate Firlinger

Webtalk: Thomas Jöchler über ViennaGIS

In unserer losen Reihe der Webtalks steht diesmal Thomas Jöchler Rede und Antwort.
Thoma Joechler Er ist Leiter der Projektentwicklung bei wien.at und arbeitet dort mit ViennaGIS, dem Geografischen Informationssystem der Stadt Wien, an der Aufbereitung von raumbezogenen Informationsangeboten im Internet. Dazu zählt auch der neue Wiener Online Stadtplan, der seit Mitte Dezember 2008 in einer Beta Version abzurufen ist. Der alte Online Stadtplan, der die meisten Zugriffe aller Seiten von wien.at verzeichnet, soll im Laufe des Jahres 2009 vom technologisch rundumerneuerten System abgelöst werden, das nebem dem Stadtplan auch eine Reihe anderer Geodienste im Web bietet. Bei der Umsetzung der neuen geografischen Informationsangebote auf wien.at wurde auf Fragen der Barrierearmut und Zugänglichkeit Bedacht genommen. Was sich allerdings als komplexe Anforderung erweist, wie Thomas Jöchler im Webtalk zu berichten weiß.

Der Wiener Beta Plan ist jetzt einigen Wochen im Netz. Die Nutzerinnen und Nutzer wurden von wien.at eingeladen, ihr Feedback zu den neu gestalteten Geodiensten abzugeben. Wie sind die ersten Reaktionen ausgefallen? Gibt es schon Rückmeldungen in puncto Accessibility bzw. Barrieren bei der Nutzung des neuen Online Stadtplanes? Und wie wird das Feedback von euch verwertet?

Wir haben seit dem Launch der Betaversion am 16. Dezember mehrere hundert Rückmeldungen erhalten. Wir bemühen uns jedes Mail direkt zu beantworten und natürlich aus den Mails die zentralen Themen für die Verbesserung des Stadtplans zu bündeln. Es gibt grob gesprochen vier große Bereiche: 1) kommen konkrete Hinweise auf Unstimmigkeiten bei einzelnen Adressen, wo dann bestimmte Hausnummern, Stiegen oder auch Schreibweisen nochmal von uns überprüft werden. 2) Es kommen viele Hinweise auf sinnvolle Datenlayer, die wir im Stadtplan noch einbinden sollen. Ein Beispiel ist hier der Gesundheitsbereich, wo wir daran arbeiten, weitere Inhalte anbieten zu können. Wichtig ist für uns hier immer, dass eine Dienststelle im Magistrat oder eine andere Stelle die laufende Aktualität und Richtigkeit der Daten garantiert. 3) erhalten wir sehr viele Rückmeldungen, die voll des Lobs sind, und sich über die neue Version des Stadtplans begeistert zeigen. Und 4) schliesslich gibt es natürlich auch berechtigtes Feedback zu den Dingen, die von den Funktionen her noch nicht ideal sind. Im Bereich Barrieren ist das stärkste Feedback hier bisher die noch fehlende Unterstützung für den Safari-Browser (bzw. Google Chrome). Auch das Werkzeug “Strecke messen” hat in der Bedienbarkeit noch ein paar Tücken.

Wie du schon bei deiner Präsentation am A-TAG im November 2008 erklärt hast, stellt sich das gesamte Projekt als große Herausforderung für die Accessibility dar. So sieht es beispielsweise bei der Tastaturbedienung des neuen Online Stadtplanes nicht gut aus. Wie werdet ihr die Anforderungen der Barrierefreiheit einlösen und was können Nutzerinnen und Nutzer tun, für die das neue Angebot nicht uneingeschränkt zugänglich ist?

Wir werden auch für den Beta Stadtplan Suchmasken anbieten, über die sich unabhängig von der Visualisierung in der Karte die Inhalte erschliessen lassen. Hier haben wir mit einer Anwendung wie dem “Kulturgut” bereits einen Themenstadtplan realisiert, wo eine gezielte Objektsuche möglich ist. Die Herausforderung liegt darin, dass wir einen recht dynamischen “Layerbaum” haben, also neue Inhalte in den Stadtplan reinkommen, und hier der alternative Zugang immer mitgezogen werden muss. Deshalb versuchen wir parallel dazu, den Plan selbst zugänglicher zu machen, um hier nicht am Ende mit einer abgespeckten barrierearmen Version dazustehen, in der viele spannende Inhalte fehlen.

Du hast es erwähnt: Es gibt die Alternativangebote, via Suchformulare raumbezogene Informationen abzurufen, zum Beispiel die Kulturgüter Wiens. Geplant ist auch ein Service, das sich “Barrierefrei im Stadtplan” nennt. Wie wird dieses aussehen und wann wird es voraussichtlich kommen?

Mit “Barrierefrei im Stadtplan” sollen barrierefreie Einrichtungen im neuen wien.at Stadtplan verortet werden. Hier startet in Bälde die Planungsphase, dann kann man Konkreteres sagen.

Geografische Informationssysteme wie Google Maps und Co. bommen derzeit weltweit. Die Stadt Wien hat für ihre raumbezogenen Web Applikationen ein eigenes Vienna GIS Web Framework entwickelt. Warum wurden nicht bestehende Lösungen, wie eben Google Maps, integriert. Worin liegen die Vorteile eines eigenen Frameworks, dessen Erstellung sicher ein enormer Aufwand war?

Die Stadt Wien war mit ihren Geo-Informationsdiensten schon sehr früh in einer Vorreiterrolle, der Wiener Online Stadtplan war in den 90er Jahren seiner Zeit sicher voraus. Die öffentliche Nutzung der GIS-Dienste ist ja ein Folgeprodukt der diversen internen, für die Verwaltung zentralen Anwendungen. Hier gibt es alleine aus Sicht der Verwaltung so viele Vorteile eines eigenen Frameworks, das massgeschneidert an die eigenen Bedürfnisse angepasst werden kann – sofern man eben das Know-how dazu aufbaut, was natürlich mit Aufwand verbunden ist.

Anwendungen wie Google Maps und Co. haben sicher in den letzten Jahren für einen absoluten Boom in diesem Bereich gesorgt, als Stadt Wien haben wir aber einen etwas anderen Zugang zur Datenqualität und -aktualität. Auch der magistratsinterne Einsatz des Frameworks mit den speziellen internen Anforderungen und IT Vorgaben macht die Sache sehr komplex und mit Standardlösungen, wie man sie am Markt kauft, nicht zu 100% umsetzbar.

Welcher Stellenwert haben deiner Meinung nach Geodienste in der öffentlichen Verwaltung? Kann bzw. soll da E-Government künftig überhaupt mithalten mit der Konkurrenz der privaten globalen Webunternehmen? Und welche nächsten Projekte im Bereich Web 2.0 sind von wien.at zu erwarten?

Geodienste haben meiner Meinung nach einen ganz zentralen Stellenwert in der öffentlichen Verwaltung, weil sie zu einer Sichtbarmachung von Zusammenhängen und Abläufen führen. Es gibt so viele Services, die eine räumliche Verortung haben oder einen räumlichen Bezug. Aus Sicht der Bürgerinnen und Bürger macht es Sinn, ausgehend von einer bestimmten Adresse, wie dem Wohn- oder Arbeitsort, Bezüge sichtbar zu machen oder Möglichkeiten aufzuzeigen. Das fängt an bei einer Radroutensuche und führt bis zu Planungsvorhaben der Stadtentwicklung. Zum Stichwort Konkurrenz mit privaten globalen Webunternehmen – hier wird eine Frage sein, ob es Schnittstellen geben wird, um Inhalte austauschen zu können. Was wir hinsichtlich Web 2.0 hier sicher unternehmen werden, ist eine Möglichkeit zu schaffen, einen bestimmten Ausschnitt aus dem Stadtplan in der eigenen Webseite einbinden zu können, das brauchen wir nicht zuletzt schon zur besseren Verknüpfung der GIS-Inhalte mit den vielfältigen Inhalten auf wien.at selbst.

Vielen Dank, Thomas, für diesen Webtalk.

Eine Reaktion zu “Webtalk: Thomas Jöchler über ViennaGIS”

  1. Eric Eggert

    Es ist nun auch der A-Tag-’08-Podcast zum Thema Geoinformationen erschienen, man findet ihn (inklusive Transkription) hier: http://atag.accessiblemedia.at/programm/view/4

    Alle Podcast-Folgen findet man hier:
    http://atag.accessiblemedia.at/podcast/

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