15. Januar 2009, von Maria Putzhuber
signtime.tv
Gratuliere zum Start signtime.tv!
www.signtime.tv , ein neuer Internet-TV-Sender in Österreichischer Gebärdensprache ist online.
Konsequent nur in Gebärdensprache, ich versteh (fast) kein Wort. Aber schaut gut aus.
Und ich will SOFORT, auf der Stelle, JETZT GLEICH, ein Stück Schokolade: Milka Werbung in Gebärdensprache, sonst arbeite ich heute nix.









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Am 15. Januar 2009 um 12:29 Uhr
Ja, soweit so nett und als Nischenprodukt sicherlich vertretbar, mit dem Thema Barrierefreiheit wöllte ich das aber nicht verknüpfen – wenn man nur kurz hinter die Kulissen schaut…
Am 19. Januar 2009 um 01:16 Uhr
die seite erhebt nicht den anspruch barrierefrei im sinn von wcag konform zu sein. sie ist ein nischenangebot für gehörlose. sicher hat sie auch noch ein paar technische macken. hinter die kulissen würde ich da gar nicht schauen wollen, wozu auch?
Am 1. Februar 2009 um 16:33 Uhr
bei einer ankündigung von signtime.tv hätt ich die bereits etablierte gebaerdenwelt.at, erwähnen sollen. sie liefert in kooperation mit der APA nachrichten auf online-qualitätszeitungsniveau.
Am 5. März 2009 um 09:58 Uhr
Eigentlich wollte ich zu signtime.tv öffentlich nix sagen, bis die Zeit hatten deren Barrierefreiheit zu erhöhen. Nachdem aber diese fehlende Barrierefreiheit hier quasi mit dem Argument “Nischenprodukt” beiseite geschoben wurde, muss ich wohl doch.
Ich halte diese Argumentation ziemlich schräg und unsinnig. Das Angebot ist genauso herausgefordert sich mit Barrierefreiheit zu beschäftigen und zu versuchen zumindest das Mögliche zu machen, wie alle anderen auch. (Immerhin ist da auch öffentlichen Geld drinnen).
Mit dem gleichen Argument könnte ja dann eine Tageszeitung sagen. Wozu barrierefreiheit, da gibt es eh signtime.tv und gebaerdenwelt.at und auch die basieren auf den gleichen APA-Meldungen.
Wie gesagt: Maria da muss ich mit Verlaub widersprechen. Nische oder nicht-Nische ist hier nicht die Frage.
Und übrigens sind sie sich inzwischen des Mankos bewusst und überlegen Verbesserungen.
Verärgert bin ich über das unsinnige Nischenargument deswegen, weil dies auch mal von einem hohen Beamten als Rechtfertigung erwähnt wurde, warum eine Organisation im Bereich Gehörlosenschulung massiv finanziert wird und völlig unbeachtet geblieben ist, dass sie unzugänglich ist. (Die betroffenen Organisation hat inzwischen eine Trainerin, die Rollstuhlfahrerin ist und die Organisation ist umgezogen und bemüht sich um Barrierefreiheit.)
Der Unterschied zwischen Integration (Integration wo man will) und Inklusion ist eben die Nichtexistenz von Nischen, wo man nach Lust und Laune diskriminieren darf.
Am 5. März 2009 um 12:30 Uhr
Immer schön, wenns gelingt Diskussion anzuregen
Muss eine Website, die nur Gebärdensprachvideos enthält, wirklich screenreader-tauglich sein? Da würde ich mein Barrierefreiheits Engagement lieber auf eShopping und eBanking etc. konzentrieren, als ein kleines, aus knappen Fördermitteln finanziertes Projekt extra zu triezen.
Am 2. April 2009 um 21:08 Uhr
Ich habe diesen Artikel via Hinweis von einer anderen Website spät entdeckt.
Generell möchte ich es nicht unkommentiert lassen, obwohl ich mich öffentlich eigentlich zurückhalten will. Ich glaube, hier sollte man vielmehr differenzieren. Es ist eine Tatsache, dass die Geldmittel im Bereich “Gebärdensprachvideos” vergleichsweise sehr beschränkt sind (und gleichzeitig überbordet sind mit enormer Bürokratie), andererseits ist die Kreativität eher endendwollend und klassisch. Obwohl diese Angebote wirklich bemüht und engagiert sind und Öffentlichkeitswirksamkeit erreichen wollen – das ist mich keine Frage!
Das Argument “Nischenprodukt” ist eher kontraproduktiv, weil es die mögliche Entwicklung in diesem Bereich sehr stark hemmt. Die Stärken dieser Wahrnehmungswelt werden dadurch nicht genutzt für mögliche innovative Ansätze und somit für eine mögliche stärkere Öffentlichkeitswirksamkeit (das hat es einmal schon in eher videofreien Webzeiten gegeben, der Effekt ist mit dem Hintergrund der damaligen Möglichkeiten verbürgt).
Wenn Gehörlose schon mehr Barrierefreiheit für sich fordern, dann könnte man bei sich selbst beispielhaft anfangen (obwohl ich selbst Teil dieser Community bin – möchte ich das bewusst aus der neutralen Perspektive heraus argumentieren). Das würde wiederum die Öffentlichkeitswirksamkeit aller Aktionen in diesem Bereich erhöhen. Man kann ein Medium strategisch nachhaltig und vielfältig nutzen. Genau das passiert bedauerlicherweise nicht!
Ich möchte auch sagen, dass generell die Kreativität im Bereich “Barrierefreiheit” vergleichsweise endendwollend ist. Wo ist denn echte barrierefreie Innovation und Kreativität hierzulande? Man begnügt sich zu sehr: Hauptsache zugänglich und das war’s!
Die Folge ist, dass man zugängliche Websites mit “Barrierefreiheit” als alleiniges Hauptargument in der Öffentlichkeit verkauft mangels innovativer Ansätze. Selbst das finde ich nicht gerade förderlich, es macht alles unnötig komplizierter und erschwert die öffentliche Kommunikation zusätzlich und verstärkt bestehende Vorurteile. Da es jetzt Gesetze gibt, ist es nun ein Thema, nicht mehr und nicht weniger.
“Muss eine Website, die nur Gebärdensprachvideos enthält, wirklich screenreader-tauglich sein?”
Hier muß auch ich mit Verlaub widersprechen. Wenn eine Website nicht screenreader-tauglich sein muss, dann behauptet man auch, dass Suchmaschinen für diese Websites schnuppe sind. Das kann es einfach nicht sein. Man kann hier sehr wohl kreative Kompromisse eingehen. Dazu braucht man nur den eigenen Horizont erweitern (zB was mache ich, wenn ich unterwegs bin und ich via Handy und mobilen Internet erfahren will, welche neuen Themen es gibt?).
Versucht doch einmal nach Inhalten zu suchen, da merkt man bald, dass man sie nicht findet, wie man es gewohnt ist. Denn sie könnten für die Allgemeinheit von Interesse sein (man kann ja auch mit kurzen Statements interessant sein, wie zB Twitter-Einträge beweisen).
Das Handwerk allein nützt gar nichts, wenn ich nicht über das Mindset dazu verfüge. Das klingt zugebenerweise frech! Wenn das als Aufforderung zu mehr Kreativität verstanden wird, dann ist mir gerade recht! Ich hoffe, niemand nimmt es persönlich, sondern als Anregung wahr. Ich bin mir sicher, das es wohlwollend zur Kenntnis genommen wird.
Meine Meinung ist: Barrierefreiheit sollte als sinnvoller und funktionaler Kontext zu verstanden werden! Barrierefreiheit auf Kosten von Öffentlichkeitswirksamkeit ist für mich schlicht “non-funktional”.