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13. November 2008, von Beate Firlinger

ÖZIV Medienpreis 2008

Scheck und Schuasch

Gestern ging die Gala zum ÖZIV Medienpreis 2008 im Studio 44 der Österreichischen Lotterien am Wiener Rennweg über die Bühne. Diese Auszeichnung wird vom ÖZIV für herausragende Berichterstattung über Menschen mit Behinderungen im Arbeits- und im Wirtschaftsleben vergeben und ist mit 1.000 Euro und dem “Schuasch”, einer vom Künstler Rudolf Pinter geschaffenen Statue, dotiert.

Scheck und Schuasch wanderten heuer an die Hände der Preisträgerin Karin Lehner vom ORF Hörfunk, die für ihren Ö1 Radiokolleg-Beitrag “Inselbegabte. Autismus im Wandel” ausgezeichnet wurde. Auch die beiden ehrenden Anerkennungen gingen diesmal an ORF JournalistInnen, und zwar an Markus Müller für einen Beitrag im Ö1-Morgenjournal über ein Tiroler Projekt, das Fachkräfte für Barrierefreiheit und Chancengleichheit ausbildet, und an Inge Maria Limbach für einen Beitrag in “Heute in Österreich”, in dem es um den Berufsalltag von Menschen mit Down Syndrom geht, die bei einer Kaffeehauskette beschäftigt sind.

Qual der Wahl

Es ist heuer bereits die dritte Runde für den ÖZIV Medienpreis. Wie ich als Mitglied der Jury weiß, beteiligten sich an der Ausschreibung 2008 insgesamt 38 EinreicherInnen mit thematisch vielfältigen Beiträgen aus Printmedien, Radio, Internet und TV. Das sind nicht nur fast doppelt so viele wie im vergangenen Jahr, auch die inhaltliche Qualität und die sprachliche Sensibilität dieser Medienberichte kann sich durchwegs sehen bzw. hören lassen. (Was die Auswahl für die Jury natürlich nicht leichter macht.)

Als Problem erweist sich dabei allerdings, dass einige wirklich gut gemachte Geschichten eingereicht wurden, die sich nicht oder nur am Rande mit dem Themenfeld “Menschen mit Behinderungen im Arbeits- und im Wirtschaftleben” befassen und daher von der Jury auch nicht in die engere Wahl gezogen werden konnten. Wäre also gut, wenn das bei der Ausschreibung 2009 vom Veranstalter, dem ÖZIV, noch deutlicher kommuniziert wird, dass es bei diesem Medienpreis insbesondere um Berichte geht, die Fragen der beruflichen Inklusion von Menschen mit Behinderungen in den Mittelpunkt rücken. Weil sonst womöglich auch Frust entsteht bei all jenen KollegInnen, die dann wieder höchst engagierte Beiträgen einreichen, aber wegen “Themenverfehlung” eigentlich von vorneherein chancenlos sind.

Ein andere Schwierigkeit dieses Medienpreises sehe ich auch in der Beurteilung höchst unterschiedlicher Publikationen und Formate. So kann sich ein tagesaktueller, schnell gemachter Zeitungsbericht nur schwer messen mit einer langen und aufwändig produzierten TV-Dokumentation. Hier wäre vielleicht eine Unterteilung in die unterschiedlichen Formate sinnvoll, um die Prämierung etwas präziser gestalten zu können.

Offene Diskussion

Gut fände ich auch, wenn es beim nächsten Mal ein Art Publikumspreis gäbe und die eingereichten Beiträge auch im Web heruntergeladen und diskutiert werden könnten. Damit wäre auch eine gewisse Transparenz und Nachhaltigkeit gegeben, die sich der ÖZIV mit der ganzen Aktion ja auch zum Ziel setzt, wie etwa in der aktuellen APA OTS Aussendung Klaus Voget, Präsident des ÖZIV, erklärt: “Mit dem Medienpreis tragen wir dazu bei, dass den Anliegen von Menschen mit Behinderung Gehör verschafft wird und dass das Thema Behinderung offen diskutiert wird.”

Eine Medienproduktion, die diesem Anspruch jedenfalls Rechnung trägt, ist die Radiokolleg-Reihe der diesjährigen Preisträgerin Karin Lehner über “Inselbegabte. Autismus im Wandel”, die im November 2007 auf Ö1 ausgestrahlt wurde. Die vierteilige Dokumentation beleuchtet, wie sich die Forschung über Autismus in den vergangenen Jahrzehnten ausgeweitet hat, von sehr vage beschriebenen Krankheitsbildern hin zu neuen Konzepten, die Autismus als Kontinuum ansehen und nicht als klar umgrenzte Kategorie. Besonders hörenswert finde ich vor allem die Passagen, in denen Menschen mit Autismus selbst zu Wort kommen, unter ihnen zum Beispiel ein “Inselbegabter”, der im Funkausarchiv arbeitet und gestern bei der Medienpreis Gala anwesend war. Gratulation!

PS: Leider keine Links zu den erwähnten ORF Beiträgen zum Nachhören, weil bekanntlich nicht frei zugänglich.

Gruppenbild für Fotografen beim OEZIV Medienpreis

Gruppenbild für FotografInnen: OrgansatorInnen und PreisträgerInnen des ÖZIV Medienpreises 2008.

3 Reaktionen zu “ÖZIV Medienpreis 2008”

  1. Roger

    Schön finde ich dass mit der Erstprämierten jemand Anerkennung dafür bekommt, der das meiner Meinung nach einseitig von “Rain Man” geprägte Autismus-Bild ein wenig verbreitert hat.

  2. Beate Firlinger

    Ja, das finde ich auch gut, weil das Wissen zum Thema Autismus in der Öffentlichkeit eher gering ist. Zumindest ich habe in der Sendung viel Neues erfahren, z. B. wie unterschiedlich die Ausprägungen von Autismus sein können, welche Fortschritte es in den Bereichen Diagnostik, Therapie und Förderung gibt und vor allem wie Betroffene sich selbst und ihre Umwelt wahrnehmen.

  3. König Heidi

    Frau Lehner- eine sehr gelungene Sendung!
    Mir gefiel der Respekt vor Menschen, Frau Lehners Liebe zu Menschen. Sie trägt zu tieferem Verstehen und Verständnis bei.
    Ich habe sehr viel Neues erfahren und nehme mir wieder einmal verstärkt vor, Inselbegabungen meiner SchülerInnen zu fördern, in jedem Menschen das zu bewundern, was sie/er kann.
    Schön auch, dass so viele Menschen zu Wort kommen, vor allem Betroffene.
    Die Sendung gehört in jede Ausbildungsstätte für KindergärtnerInnen und PädagogInnen.
    Gratuliere zum Preis! Er ist verdient.
    Weiterhin viel Erfolg und bitte mehr solche Sendungen!
    Grüße, auch an all jene, die sich damit abmühen, andere Menschen zu informieren und Menschen zu Würde und Ansehen verhelfen.
    Heidi König

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