6. Oktober 2008, von Eva Papst
A-Tag ‘08 – Die Zukunft ist heute
“Interessanter Titel”, sagt ein Bekannter, als ich ihn zur gemeinsamen Veranstaltung von accessible media und dem Bundesministerium für Gesundheit, Familie und Jugend einlade. Er steht knapp vor dem Abschluss seines Informatikstudiums und wird eine Arbeit zum Thema Accessibility schreiben. Ich freue mich, dass ihm der Titel gefällt, aber dann fügt er hinzu: “Was genau bedeutet das: Die Zukunft ist heute?”
Ich denke über eine passende Antwort nach und erinnere mich an einen Übungssatz, den mein Lehrer uns seinerzeit als Maschinschreibübung aufgegeben hat. Als bloße Übung gedacht, hat er mich irgendwie mein ganzes Leben begleitet. Er scheint mir als Erläuterung des diesjährigen Titels unserer Veranstaltung ziemlich passend: “Der Kluge horcht in die Vergangenheit, handelt nach der Gegenwart und denkt an die Zukunft.”
Generationskonflikte
Betrachtet man die Weblandschaft, scheint es zumindest drei Generationen von Seiten zu geben:
Da sind die “ewig Gestrigen”, die mit festgezurrten Tabellen-Layouts daherkommen, HTML- und andere Standards scheinbar nur vom Hörensagen kennen und daher meist ignorieren. Sie weisen häufig keinerlei strukturierende Elemente wie Überschriften, Absätze oder Listen auf. Dass von Accessibility wenig bis nichts zu finden ist, kann nicht verwundern, zumal diese Seiten auch in keiner Weise dem Stand der heutigen Technik entsprechen. Das trifft nicht nur mich als jemanden hart, der auf Accessibility angewiesen ist, sondern muss darüber hinaus jedem seriösen Webworker wie ein Schlag in die Magengrube vorkommen. Dass etliche dieser Seiten im Jahr 2008 neu entstanden sind, ist geradezu ein Affront.
Eine erfreulicherweise im Wachsen begriffene Generation bemüht sich nicht nur um standardkonformen Code und zeitgemäße Techniken (wie etwa Trennung von Inhalt und Layout), sondern oft auch um die Einhaltung von Accessibility-Richtlinien. Neben der Nutzung technischer Checkprogramme legt man darüber hinaus Wert auf Tests durch NutzerInnen, um vor allem der Surfpraxis gerecht zu werden.
Last but not least sind da noch jene VorreiterInnen modernster Webtechniken, die schon lange ungeduldig in den Startlöchern scharren, um Flash, AJAX & Co zum Nutzen der AnwenderInnen und natürlich auch möglichst barrierearm einsetzen zu können. Moderne Webapplikationen und Accessibility schließen einander nämlich keineswegs aus, soferne man weiß, welche Standards und Richtlinien dabei zu beachten sind.
Gemeinsamer Nenner
Mit der Themenvielfalt der diversen Referate beim A-Tag ‘08 versuchen die VeranstalterInnen den unterschiedlichsten Bedürfnissen unseres heterogenen Publikums und somit allen Generationen der WebgestalterInnen gerecht zu werden. Ob Richtlinien, Standards, Organisation, Checktools oder moderne Webtechnologie – es ist sicher für jeden etwas dabei, das den Generationskonflikt der Weblandschaft verringern helfen kann.
Die Zukunft ist heute steht dafür, dass die Zukunft unserer Weblandschaft vor allem in den Händen der in Ausbildung befindlichen Generation liegt. Darum wendet sich diese Veranstaltung in verstärktem Maße an die Jugend und somit an die SeitenmacherInnen von morgen. Von ihrer Qualifikation und ihrem Wissen um moderne Technik und Accessibility wird es abhängen, ob wir in fünf Jahren bei einem Relaunch ebenso böse Überraschungen erleben können wie im Jahr 2008.
Dafür sind neben Fortbildungsveranstaltungen aber auch entsprechend gut gestaltete Beispielseiten der Generation von heute und eine spürbare Aufholjagd des Schlussfeldes “von gestern” erforderlich.
Der A-Tag ‘08 wird hoffentlich dazu beitragen, diese Kluft zwischen den Generationen von Webseiten zu verringern und vor allem Barrieren in den Köpfen der Menschen abzubauen.
Nähere Infos:
Anmeldung und Programm auf der Website zum A-Tag ‘08: http://atag.accessiblemedia.at
Termin: 21. November 2008, Beginn 9.00 Uhr, Open end.
Ort: TechGate Vienna, Donau-City-Straße 1, 1220 Wien.
Die Veranstaltung ist gratis, die Plätze sind jedoch limitiert.
Eva Papst ist Vorsitzende des Vereins accessible media und wird den A-Tag ‘08 eröffnen.









Über dieses Blog
Am 6. Oktober 2008 um 23:02 Uhr
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