Sie sind hier: MAIN web Home / MAIN blog / Artikel: Wählen dürfen

12. März 2008, von Maria Putzhuber

Wählen dürfen

Jössas, den Frauentag einfach verpasst letzten Samstag: verfrühstückt, versudokut, verputzt, vershoppt, verschludert, vergessen und verschlafen. Ich, die ich immer so brav -inne, um mich selber daran zu erinnern, dass Frauen von Oktober bis Weihnachten gratis arbeiten. Als Knopf in der Sprache, über den man stolpert, hat die grammatikalische Mühe ihren guten praktischen Nutzen. Ansonsten schauts mittlerweile schlecht aus mit den feministischen Ansprüchen.

Der 9. März – Wahlen in Niederösterreich – ging ebenso an mir vorüber, weil das Alltagsleben einen so erschöpft in mittleren Jahren. Ich hab bloß 5 Euro gewonnen, weil ich gewettet habe, dass der Landeskaiser Pröll dazugewinnt.

Wie Frauen wählen

Der Frauentag am 8. März erinnert an die Einführung des Frauenwahlrechts. Die große, große Sorge, dass Frauen die Wahlergebnisse grob durcheinander bringen könnten, hat sich als unbegründet erwiesen. Bis Ende der 60er Jahre wählten sie eine Spur konservativer als die Männer, seitdem eher ein paar Prozent sozialdemokratischer und grüner, extrem wählen sie nicht. Sie wählen eine großzügige Familien- und Sozialpolitik, Umweltschutz, keine Atomkraft und keine militärischen Einsätze. Weibliche Spitzenkandidatinnen bringens nicht unbedingt, weder in Niederösterreich noch in den USA, d.h. für mich persönlich verwirrend bis unerfreulich bringen sie´s nur bei den Rechten.

Wie Menschen mit Behinderung wählen

Das lässt sich nicht beantworten. Zwar haben ca. 10% der Bevölkerung (also 800.000 in Österreich) irgendeine Form von Behinderung, aber diese 10% sind zu inhomogen, um Wahlverhalten hochzurechnen. Es wird wohl jeweils darauf ankommen, wie gerade brennende soziale Themen von den Parteien behandelt werden.

Zum Beispiel hat Kritik an der Pflegeregelung der Bundesregierung und Aufstockung der Fördermittel in Niederösterreich, damit legale Pflegekräfte leistbarer werden, der Pröll ÖVP am letzten Wahlsonntag bestimmt auch Behinderten-Stimmen eingebracht.

Die ca. 54 Millionen AmerikanerInnen mit Behinderungen werden sich jedoch eher von demokratischer Seite mehr Geld für Sozial- und Behindertenbelange erwarten.

Was gerade gewählt würde

Die letzten Tage sind in Österreich die Ausweitung der Befugnisse von Betreuungspersonen wie LaienpflegerInnen oder auch Persönlichen AssistentInnen in Diskussion in der Behindertenszene. Die Bedenken der Pflegegewerkschaft werden von Betroffenen wohl nicht goutiert.

Ein weiteres kontroverses Thema ist die durch ein OHG Urteil festgeschriebene Schadenersatzpflicht bei unrichtiger vorgeburtlicher Diagnose, wenn ein Kind mit Behinderung zur Welt kommt. Pros und Kontras geben auch Anlass zu parteipolitischem Hickhack.

Aus Projekteperspektive, die ich als Webbetreuerin von MAIN nur am Rande mitbekomme, hat die Behindertenpolitik derzeit einen deutlichen Arbeitsmarkt-Fokus. Gefördert werden Initiativen für die Zielgruppe Menschen mit Behinderungen mit arbeitsmarktrelevantem Programm und Vermittlungsquoten. Gesellschaftspolitische Bildungs- und Sensibilisierungsprojekte, wie sie MAIN in den letzten Jahren durchgeführt hat, lassen sich derzeit schwerer finanzieren. Und das ist natürlich schad und fad.

2 Reaktionen zu “Wählen dürfen”

  1. daniel

    Wäre es eigentlich aus barrierefreier Sicht nicht besser auf das Innen zu verzichten? Da gibt man sich Mühe Texte so lesefreundlich wie möglich zu gestallten um ihn dann wieder durch solche Verrenkungen (Weibliche SpitzenkandidatInnen) zu verstümmeln.

  2. Maria Putzhuber

    danke sehr! ja, das ist eindeutig eine verrenkung zuviel: spitzenkandidatinnen genügt völlig.

Einen Kommentar schreiben

top