9. Oktober 2007, von Beate Firlinger
vorne und hinten
Ein paar Erfahrungen im Vorfeld der Accessibility Blog Parade …
Eine dynamische Webseite hat bekanntlich zwei Seiten, ein Weblog ebenfalls. Ein vorderes und ein hinteres Ende. Vorne ein Frontend, die grafische Benutzeroberfläche, und hinten ein Backend, ein Computerprogramm, ein System. Die Inhalte werden in einer Datenbank gespeichert, das System muss dafür sorgen, dass sie zu standardkonformen Seiten zusammengebastelt werden. Und die Menschen, die die Inhalte schreiben, müssen so allerlei berücksichtigen, damit eine barrierefrei programmierte Seite auch einigermaßen barrierefrei bleibt.
Wordpress
Das System hinter MAIN_blog ist Wordpress, eine freie Blogsoftware, die von der Webdesignerin und Accessibility Expertin Maria Putzhuber für unsere Zwecke laufend und höchst umsichtig adaptiert und mit diversen Erweiterungen versehen wird. Grundsätzlich eignet sich dieses kleine Content Management System ganz gut dafür, dass vorne ein halbwegs barrierearmer Webauftritt herauskommt. Das Backend ist auch mit Zoom-Software und Screen-Reader einigermaßen bedienbar, was für Content Management Systeme eher nicht die Regel ist. Aber wir stoßen im Arbeitsalltag immer wieder an Grenzen, an jene des eigenen Wissens und Könnens und an jene, die uns die Software setzt.
Dass Barrierefreiheit nicht auf Knopfdruck funktioniert, haben mir auch die Vorbereitungsarbeiten zu unserer Accessibility Blog Parade wieder verdeutlicht. Was habe ich dabei als Autorin, als Webredakteurin gelernt? Ein paar simple Beispiele:
Banner
Zur Accessibility Blog Parade gibt es mehrere, verschiedene Banner. Ich hatte beim Hinaufladen zwar bedacht, dass es zu jedem der Banner einen entsprechenden Alternativtext geben muss, aber vergessen, das jeweilige Format dazu zu schreiben. Es war für eine blinde Userin wie Eva Papst, die unsere Parade unterstützt, nicht klar zuordenbar, was die Banner unterscheidet und welchen sie nun wählen soll. Abgesehen davon, dass sie als Braillezeilen- und Tastaturbenutzerin die Banner nicht herunterladen konnte, weil ich sie zuerst nicht korrekt verlinkt hatte. Sehende laden Bilder mit der rechten Maustaste herunter, blinde UserInnen verwenden keine Maus. Wir haben das natürlich sofort ausgebessert. Optimal und vorbildlich im Sinne der Barrierefreiheit ist unsere Einbindung der Banner aber noch immer nicht. Tipps für gute Lösungen werden also gerne entgegen genommen.
Plugins
Wordpress ist als Grundsystem sehr einfach. Für zusätzliche Funktionalitäten (wie etwa Spamschutz, Formulargenerator, Bildergalerie, Videoplayer usw.) gibt es von vielen verschiedenen ProgrammiererInnen geschriebene Erweiterungen, sogenannte Plugins. Bei einem Update des Systems kann frau jeweils gespannt sein, ob das System danach noch einwandfrei funktioniert.
In den vergangenen Wochen dauerte das Laden unseres MAIN_bogs stets verdächtig lange. Nachdem Maria Putzhuber eine Weile herumtüftelte, stellte sich heraus, dass die Ursache dafür im Plugin für die Auszeichnung von Akronymen lag. Da sich unsere aktuelle Wordpress Version nicht mehr mit dem Acronym Replacer Plugin verträgt, ist es jetzt deaktiviert. Wir schreiben jetzt alle Abkürzungen direkt in den Texten dazu, Akronyme mit Umlauten gingen in dem englischsprachigen Plugin ohnedies nicht (was in Österreich bei den vielen Organisationskürzel, die mit Ö beginnen, eher häufig Probleme machte). Außerdem hat unsere Programmiererin nun im Texteingabefeld einen Editier-Knopf dazugefügt, mit dem wir zwar nicht im gesamten Blog, aber zumindest im jeweiligen Beitrag den HTML Code für ein Akronym einfügen können.
Auch das Plugin für die Sprachauszeichnung macht neuerdings – nach dem letzten Update – Mucken. Jedenfalls in unseren Link titles und alt Attributen, wo wir derzeit keine fremdsprachigen Begriffe, die mit dem Sprachauszeichnungs-Plugin automatisch ausgezeichnet werden, reinschreiben dürfen. Weil sonst seltsame Dinge passieren, die die gesamte Formatierung durcheinander bringen, oder so … der Programmierer des Plugins arbeitet daran.
HTML barrierereich
Auch wurde ich aufgeklärt, dass es nicht möglich ist, im Alt Attribut von Bildern (der Alternativtext, der anstelle des Bildes angezeigt werden kann) einzelne Wörter mit einer Sprachauszeichnung zu versehen. Beispiel wieder die Banner zur Accessibility Blog Parade, wo es nicht geht, eben dieses Wort “Accessibility Blog Parade”, als englisch zu definieren, weil die Sprachauszeichnung ebenfalls ein HTML Attribut ist und Attribut in Attribut nicht möglich ist. Man könnte nur ein gesamtes Bild manuell mit Sprachattribut versehen. Alles etwas kompliziert und ohne HTML Kenntnisse unbegreiflich.
Lernprozess
Wie auch immer – frau lernt jedenfalls nicht aus. (Dank an Maria für die vielen Erklärungen.) Bei unserer Accessibility Blog Parade sollen nicht zuletzt auch Tipps und Tricks gesammelt werden, wie Weblogs hinten und vorne barrierefreier werden können. Unser Paraden-Partner Robert Lender will dies an seinem eigenen Weblog Nur ein Blog veranschaulichen, der mit der Blog Software Serendipity gemacht ist. Wie es ihm dabei ergeht und welche Möglichkeiten und Grenzen ihm dabei diese Software setzt, werden wir bei ihm im kommenden Monat lesen.
Morgen geht es weiter “über Barrieren im Netz”: Start der ersten Accessibility Blog Parade im deutschsprachigen Raum! Bitte weitersagen, mitmachen, bloggen, posten …










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