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16. September 2007, von Beate Firlinger

an die Floskel gefesselt …

Workshops für JournalistInnen und Öffentlichkeitsarbeitende

Im Oktober 2007 stehen zwei Termine ins Haus, bei denen es um die mediale Berichterstattung zum Thema Behinderung geht. Es handelt sich um einen Workshop in Wien und einen in Salzburg, die von MAIN bzw. von mir inhaltlich mitgestaltet werden. Beide Veranstaltungen richten sich gezielt an JournalistInnen und Kommunikationsfachleute, die in Medien und Öffentlichkeit über Behinderung sprechen und schreiben.

Sichtweisen von Behinderung in den Medien

“Zwischen Verklärung und Vorurteil – Sichtweisen von Behinderung in den Medien” lautet der Titel des Workshops am 4. Oktober 2007 in Wien. Eine Weiterbildungsveranstaltung für JournalistInnen, die MAIN_Medienarbeit Integrativ gemeinsam mit dem Österreichischen Journalisten Club (ÖJC) und dem Österreichischen Zivil-Invalidenverband (ÖZIV) anlässlich des ÖZIV Medienpreises 2007 durchführt.

Zum Einstieg gibt es ein Impulsreferat, das ich halten werde. Thema: „Merk-mal“ Behinderung. Über Einordnungen, Zuschreibungen und Konstruktionen von Behinderung in den Medien und in der Gesellschaft. Im Anschluss daran ist unter dem Motto “an die Floskel gefesselt …” eine Gesprächsrunde geplant, bei der Sprachbilder, Wahrnehmungsmuster und der Umgang der Medien mit behinderten Menschen zur Diskussion stehen. Dazu werden folgende Gäste ihre Sichtweisen einbringen: Fred Turnheim (ÖJC Präsident), Claus Reitan (Chefredakteur Österreich), Mag.a Dorothea Brozek (Geschäftsführerin Wiener Assistenzgenossenschaft), Günter Roiss (Österreichischer Gehörlosenbund), Mag. Michael Krispl (Verein Blickkontakt).

Die Veranstaltung beginnt um 18.30 Uhr und findet bei MAIN in der Marchettigasse 7/1, 1060 Wien statt. Wir ersuchen um verbindliche Anmeldung bis 2. Oktober 2007 unter: office@oejc.at

behindert, besonders, bedürftig …?

Um korrekte Sprache, zeitgemäße Bilder und nicht diskriminierende Darstellungsformen in Medien und Öffentlichkeitsarbeit wird sich auch der Workshop “behindert, besonders, bedürftig …?” am 23. Oktober 2007 im Kolpinghaus Salzburg drehen. Eine Veranstaltung im Europäischen Jahr der Chancengleichheit 2007, die vom Büro für Frauenfragen & Chancengleichheit des Landes Salzburg und dem Frauenbüro der Stadt Salzburg durchgeführt wird.

Ich werde den Workshop gemeinsam mit Tom Wilflingseder halten, einem Salzburger PR-Profi, Rollstuhlfahrer und engagierten Experten in Behindertenfragen. Im Team werden wir versuchen, den anwesenden JournalistInnen, PressesprecherInnen und ÖffentlichkeitsarbeiterInnen nützliche Tipps und Anregungen zu geben, wie sie besser über Behinderung berichten können. Der Workshop dauert von 13.30 bis 17.30 Uhr. Information und Anmeldung bei Katharina Zehner vom Büro für Frauenfragen & Chancengleichheit des Landes per Email unter katharina.zehner@salzburg.gv.at oder per Telefon unter: 0662-8042-4042.

Diskriminierende Formulierung

Ob die Fortbildungsangebote tatsächlich auch angenommen werden, bleibt abzuwarten. In Salzburg gibt es für den Sensibilisierung-Workshop jedenfalls einen aktuellen Anlass, der in den vergangenen Wochen die Gemüter in der Behindertenbewegung erhitzte. Denn den Salzburger Frauenbüros ist ein grober Schnitzer unterlaufen, der umso peinlicher wirkte, da es sich um eine Kampagne anlässlich der EU-Jahres der Chancengleichheit 2007 handelte.

Konkret ging es um ein Infoplakat der Ausstellung “Ich bin gleich”, wo zum Thema Behinderung unter anderem folgende Textpassage zu lesen war: “… Weiters ist es Menschen mit Behinderung nicht ohne Hilfe möglich, geregelte soziale Beziehungen zu pflegen, sinnvolle Beschäftigung zu erlangen und auszuüben und angemessenes und ausreichendes Einkommen zu erzielen.”

Dass diese Formulierung heftige Kritik und den Vorwurf der Diskriminierung auslöste, ist ob ihrer Dummheit nur verständlich. Martin Ladstätter hat auf BIZEPS INFO online die Geschichte aufgegriffen und vorangetrieben. Wie er berichtet, wurden mittlerweile das Infoplakat und dessen Beschreibung auf der Website der Stadt Salzburg entfernt bzw. überarbeitet und die Verantwortlichen haben sich entschuldigt. Ihnen sei keine böse Absicht unterstellt, aber der Fall zeigt deutlich, dass nach wie vor überkommene und klischeehafte Vorstellungen existieren, die sich in Sprache und Texten niederschlagen und unhinterfragt in der Öffentlichkeit verbreitet werden.

Perspektivenwechsel

Das gilt auch für viele Medienberichte, die Menschen mit Behinderungen entweder als defizitäre “Armutschkerl” oder als heldenhafte “Wunderwuzzis” darstellen und damit in verzerrte Rollenbilder drängen, die nicht ihrer realen Lebenswelt entsprechen.

Doch können mediale Darstellungen der Lebensrealität von behinderten Menschen überhaupt gerecht werden? Gelten nicht auch hier die Regeln der journalistischen Auswahl, die das Besondere und Eigenartige und eben nicht das Alltägliche ins Blickfeld des medialen Interesses rücken? Wie lässt sich diese Kluft zwischen den medial transportierten Fremdbildern aus zweiter Hand und der Selbstwahrnehmung behinderter Menschen überwinden? Gibt es Wege im Spannungsfeld von Medien, Behinderung und Gesellschaft, um die Klischees zu durchbrechen? Und wodurch zeichnen sich sprachlich sensible und inhaltlich korrekte Medienberichte über Menschen mit Behinderungen aus?

Diese Fragen stehen am Programm der beiden Workshops in Wien und in Salzburg, mit denen wir ganz herzlich zum Perspektivenwechsel einladen möchten. Die Teilnahme ist kostenlos.

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