17. Juni 2007, von Beate Firlinger
Rückkanal gefragt
Unlängst besuchte ich wieder einmal eine Veranstaltung, die das Phänomen Web 2.0 mehr oder weniger spannend zu erörtern versuchte. Es handelte sich um eine Podiumsdiskussion, die die Österreichische Computergesellschaft anlässlich des eBusiness Days 2007 am 14. Juni 2007 in der Wirtschaftskammer Österreich veranstaltete.
Politisches Tagebuch
Einer der Gäste am – ausschließlich männlich – besetzten Podium war Erwin Buchinger. Der Bundesminister für Soziales und Konsumentenschutz wurde eingeladen, weil er bekanntlich selbst ein Weblog betreibt. In diesem persönlichen Online-Tagebuch hält der Politiker seinen beruflichen Alltag genau fest. So berichtet Buchinger in seinem Eintrag vom 14. Juni auch folgendes über die Podiumsdisussion:
“Um 15.45 Uhr fahre ich in die Wirtschaftskammer zu einer Veranstaltung der österreichischen Computergesellschaft zum Thema Web 2.0. Ich wurde in einer Doppelfunktion eingeladen. Zum einen als Konsumentenschutzminister, zum anderen, weil ich selbst – als Blogger – ein Web 2.0 Anwender bin. Die Diskussion ist sehr interessant. Besonders hipp ist, dass sie auch in Second Life, einer virtuellen Welt mit ca. 7 Millionen registrierten Usern ‘übertragen’ wird. …”.
Demokratiepolitischer Anspruch
Für ihn, meinte der Minister bei der Veranstaltung, habe das Weblog die Funktion eines echten Tagebuches, das er schon seit langem führe, nun eben im Internet. Außerdem biete das Weblog eine Möglichkeit, sich vom “Wahlvolk sozusagen über die Schulter schauen zu lassen”. Und dies sei nicht zu unterschätzen, denn mit der Nutzung neuer Technologien wie Web 2.0 bahne sich ein ein grundsätzlicher demokratiepolitischer Wandel an.
Ich nahm diese Gelegenheit wahr, um an Minister Buchinger endlich persönlich eine Frage zu richten, die sich bei seinem Weblog mir und anderen BloggerInnen aufdrängt. Sie betrifft die Kommentarfunktion, die in Buchingers Blog fehlt.
Gefragte Interaktivität
Ich fragte also, ob es sich bei diesem Weblog nicht doch eher um eine Anwendung des Web 1.0 handle. Denn wo sei der von ihm erwähnte demokratiepolitische Anspruch des Web 2.0 gegeben, wenn keinerlei Möglichkeit zur Interaktion und zum Dialog mit den LeserInnen vorgesehen ist? Und ergänzend wollte ich wissen, ob es demokratiepolitisch nicht angemessener wäre, in der (öffentlich finanzierten) Online-Kommunikation eines Politikers auch einen Rückkanal einzubauen, um eine Debatte über wichtige Fragen des Ressorts zuzulassen.
“Hier stutzte der Sozialminister ein wenig – und führte dann mangelnde Kapazitäten an. Sein Weblog schreibe er bis jetzt ganz allein, annähernd täglich, meist kurz vor Mitternacht”, berichtet Erich Möchel in der FutureZone des ORF im Artikel Der Minister und das Web 2.0 über die Reaktionen auf die nachgefragte Interaktivität. Er selbst habe diese interaktive Funktion anfänglich schon gewollt. Allerdings sei ihm von allen Seiten dringend abgeraten worden, rechtfertigte sich Buchinger.
“Die anderweitig professionellen Kommunikatoren von Trimedia über SMS.at bis Wikipedia, die allesamt das ‘Dialogische’ betont hatten, grinsten verhalten vom Podium”, schreibt Erich Möchel weiter in der FutureZone. “Im Raum hing nämlich spürbar der Gedanke daran, was gut gemeinten Web-2.0-Anwendungen blühen kann. …”
In einer APA-OTS-Aussendung der SPÖ zu Buchinger über Web 2.0 findet sich dazu folgende Erklärung: “Von seinem eigenen Weblog berichtete der Sozialminister, dass es darin keine Feedback-Funktion gebe, weil man dafür zwei Mitarbeiter benötigen würde, er dafür alles selber schreibe. Des Weiteren werde es künftig einen monatlichen Chat geben.”
Gewünschte Barrierefreiheit
Bleibt zu wünschen, dass dieser Chat auch barrierefrei zugänglich sein wird, damit auch behinderte UserInnen mit dem Minister online tratschen können.
Um die Frage nach barrierefreiem Internet ging es dann auch noch im Laufe der Podiumsdiskussion in der Wirtschaftskammer. “Der Sozialminister gab bekannt, dass die Barrierefreiheit auf den Seiten des Bundes – wie gesetzlich vorgesehen – bis 2008 hergestellt sein werde”, hält dazu die APA-Aussendung fest. Ob diese doch recht zuversichtliche Ankündigung hält, was sie verspricht, bleibt ebenfalls abzuwarten.
Weblinks:
Gesammelte Meinungen zu Buchinger Blog auf Technorati
Ed Wohlfahrt’s Blog: Wer A sagt, der sollt auch B sagen
sierralog: Erwin Buchinger schreibt banales









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