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10. Juni 2007, von Beate Firlinger

Webtalk: Robert Lender über Accessibility

Robert Lender, Betreiber von Nur ein Blog, hat vor einiger Zeit mit mir einen Webtalk zum Thema barrierefreies Internet geführt. Das Interview, das wir per Email gemacht haben, ist in seinem Weblog hier nachzulesen.

Ich habe dem engagierten Wiener Blogger im Gegenzug ebenfalls fünf Fragen zur Barrierfreiheit im Web gestellt. Robert Lender ist seit 1996 interaktiv im Netz unterwegs und betrieb bisher klassische Websites, Wikis, Weblogs und Boards. Seit zwei Jahren ist “Nur ein Blog” sein Hauptprojekt, ein Multi-Themen-Blog von Heinz Conrads bis zum Mobilen Internet mit einer breit gefächerten LeserInnenschaft. Das Weblog versteht sich außerdem als experimentelle Plattform für neue Plugins der Blogsoftware Serendipity/S9y, für die Robert Lender die Aufgabe als Promoter übernommen hat.

Aktuell widmet sich Robert Lender gerne auch seinem neuen Projekt WebPlausch. Ich habe über diese Spielart der persönlichen Zusammenkunft im Beitrag Netzgespräche hier im MAIN_blog bereits berichtet. Der Webexperte, von Brotberuf Beamter, möchte damit Menschen den Zugang zum Wissen über das Internet erleichtern – ein Accessibility Angebot der anderen Art, wie er sagt. Womit wir wieder beim Thema wären – dem Webtalk mit Robert Lender über seine Zugänge und Einschätzungen zur Web Accessibility:

1. Wann und wie haben Sie Bekanntschaft mit dem Thema “barrierefreies Internet” gemacht?

Vor rund acht Jahren hat jemand bei meiner ersten Website (ein fürchterliches HMTL mittels eines “Web-Editors”) darauf hingewiesen, dass meine Farbgebung ihm beim Lesen Schwierigkeiten macht. Mehr beschäftige ich mich mit dem Thema aber erst seit rund zwei Jahren – seit der Einrichtung meines Weblogs – wobei ich über die Diskussion bezüglich Captchas*) in das Thema “eingestiegen” bin.

2. Welche Fragen wirft das Thema aktuell für Sie auf?

Wie kann man insbesondere Open-Source-ProgrammiererInnen, -DesignerInnen, -EntwicklerInnen, die ihre Freizeit in die Weiterentwicklung von Blogsoftware, von Templates etc. stecken, das Thema näherbringen ohne sie vor noch mehr Arbeit (und wenn es allein das Einlesen in die Thematik ist) abzuschrecken?

Problematisch ist, dass man als User oft nicht mehr weiß, wie Accessibility umzusetzen ist. So habe ich mich endlich entschlossen, das lang-Attribut**) einzusetzen um endlich die WAI-konforme Sprachauszeichnung umzusetzen. Nun hörte ich von dritter Seite, dass dies in der Praxis gar nicht so gewünscht sei, da viele Screenreader zuviel Zeit zum Wörterbuchwechsel bräuchten. Erst eine Nachfrage bei MAIN hat dies wieder relativiert. Aber genau solche Dinge verunsichern – hier bedürfte es kompetenter AnsprechpartnerInnen und Hilfestellungen für den/die “einfache” BlognutzerIn oder eine Art “Blogger-Accessbility-Hotline”.

Die dritte Frage ist, wie man das Thema noch publiker machen könnte. Denn nur wenn Barrierefreiheit ein Diskussionsthema ist, werden sich auch mehr Menschen damit auseinandersetzen. Wie wäre es z.B. mit einem “Blog-Karneval” zum Thema?

3. Wie gehen Sie mit Barrierefreiheit bei Ihrem eigenen Webauftritt um?

Noch viel zu wenig. Erster Schritt war es, die Captchas abzustellen und lieber anderweitige Anti-Spam-Plugins einzusetzen, die schlussendlich eigentlich effektiver sind. Nachdem ich die Blogsoftware Serendipity einsetze, habe ich natürlich einen Startvorteil, da Blogs von Haus aus meistens relativ barrierefrei sind.

Problematisch ist, dass man als privater Blogger mit kleinem Budget nicht einfach einen Auftrag an eine Firma geben kann, sondern mit den Möglichkeiten leben muss, die die ProgrammiererInnen der Blogsoftware anbieten. Mein nächster Schritt wird ein Template sein, dass barrierefreier ist. Weiters werde ich auf einen anderen Editor umstellen, der mich besser bei Auszeichnungen unterstützt.

4. Welche Unterstützung und Beratungsangebote würden Sie sich bei der Umsetzung von Web Accessibility wünschen?

Blog Software ist oft Open Source und wird von engagierten ProgrammiererInnen in deren Freizeit erstellt. Diese sind froh, wenn sie ihre technischen Kniffe beherrschen. Die Diskussion über Accessibility und Usability bei Blog(software) ist erst am Beginn. Für viele klingt das nach Mehrarbeit. Hier bedürfte es guter Einführungen (Workshops, BarCamps, WebPlausch,..). Denn es gibt durchaus Interesse am Thema. So konnte ich bei meinem Template für mein Blog durchaus mit dem Entwickler einige Accessibility Fragen abklären. Zumindest für Serendipity – da kenne ich mich besser aus – gibt es derzeit einige interessante Templateentwicklungen, die Accessibility in den Mittelpunkt ihrer Entwicklung stellen (und die ich auch in meinem Blog dokumentiere).

Interessant wäre eine Anleitung für BlogbenutzerInnen, wie sie selbst Barrierefreiheit umsetzen könnten. Also nicht die große Anleitung für WebdesignerInnen und Menschen, die HTML, XML verstehen, sondern einfache Hilfestellungen für Menschen, die froh sind, ein Blog überhaupt aufsetzen bzw. einrichten zu können.

5. Warum ist es Ihrer Meinung nach notwendig, dass Webauftritte und Blogs barrierefrei zugänglich sind bzw. werden?

Dies sollte eigentlich keine Frage mehr sein. Aber wie ich selbst in vielen Diskussionen erlebt habe, fehlt es bei vielen noch immer am Grundverständnis und der Einsicht, was Barrierefreiheit bedeutet. Für den/die “einfacheN” BloggerIn besteht (leider) vordergründig keine Notwendigkeit, ein barrierefreies Blog anzubieten, sofern man nicht direkt oder indirekt persönlich von der Thematik betroffen ist.

Ein gutes Argument mag für manche sein, dass in Zeiten des Web 2.0 bzw. kommenden Web x nicht nur die allgemein bekannten Browser bei Blogs zum Einsatz kommen werden bzw. jetzt schon sind. Feedreader, Mobile Browser, etc. benötigen Websites, die sich an Standards halten. Will man in Zukunft nicht LeserInnenschaft verlieren, sollte man schon jetzt darauf setzen.

Außerdem – siehe meine Antwort zu Frage Eins – wird verkannt, wie viele Menschen Zugangsprobleme haben. Hier vergibt man sich ein großes Publikum.
BloggerInnen sehen sich öfters als die Avantgarde des Web, treten für Meinungsfreiheit und freien Informationsaustausch ein. Manche müssten dann noch erkennen, dass die Accessibility des eigenen Blogs der erste Schritt zur Umsetzung einer solchen Forderung ist.

*Anmerkungen (Beate Firlinger):

*) Captcha dient dazu, Spams zu bekämpfen, die sich automatisiert in Gästebüchern, Foren, Kommentaren, Kontaktformularen, etc. eintragen. CAPTCHA ist ein Acronym und steht für “Completely Automated Public Turing-Test to Tell Computers and Humans Apart”. Übersetzt heißt das soviel wie: “Vollautomatischer öffentlicher Turing-Test, um Computer und Menschen zu unterscheiden“. Zurzeit werden im Netz bei Anmeldeformularen und Logins vor allem bildbasierte Captchas verwendet, um automatische Anmeldeskripts zu verhindern. Dazu wird meist ein Bild mit einem verzerrten Text erzeugt, den die NutzerInnen erkennen und in ein dafür vorgesehenes Feld eingeben müssen, um Zugang zu interaktiven Online-Bereichen zu erhalten. Diese und andere Lösungen zur Verhinderung automatischer Anmeldungen sind allerdings in der Regel nicht oder kaum barrierefrei zu gestalten. Nähere Erklärungen – Siehe Wikipedia: Captcha

**) Das lang-Attribut bestimmt die Sprache eines Dokumentes und sollte gesetzt sein, damit Anwendungen, die Webseiten vorlesen (so genannte Screenreader), die Sprache des Dokumentes erkennen können.

2 Reaktionen zu “Webtalk: Robert Lender über Accessibility”

  1. Robert Lender

    Danke für das Attribut “Webexperte” aber in meinem Fall würde ich es nicht anwenden, dazu fehlt mir einfach noch viel zu viel Wissen.

  2. Nur ein Blog

    Mein Interview fürs MAIN_blog zum Thema Accessibility

    Vor rund 2 Monaten interviewte ich Beate Firlinger von MAIN_Medienarbeit integrativ für einen w2atTalk. Die "Revanche" hat nicht lange auf sich warten lassen. Im MAIN_blog findet sich nunmehr ein Interview mit mir zum Thema "Accessbility&

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