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28. März 2007, von Maria Putzhuber

Webmontag 26.3.2007

Das Metalab ist ein cooler Keller in der Rathausstraße, Basis mit guter Infrastruktur für eine Reihe von Initiativen, für “Bastler und Enthusiasten” im Umfeld Informatik, Technik und Netzkultur. Der Webmontag, ein informeller Diskussionsabend mit Impulsreferaten, fand bereits zum 4. mal hier statt.

Interessante Männer

In der Schule machen nur die Mädels Fleißaufgaben, 10 Jahre später sind es dann die Buben, die ihre Freizeit mit Extraarbeit, Programmierspielereien, Elektroniktüfteleien und Techniksmalltalk verbringen. 2 Frauen und ca. 20 junge Männer lümmelten da auf alten Sofas, Sesseln und Klappstühlen, viele davon mit schicken MacBooks gewappnet. Willkommen ist im Metalab jeder und jede, man muss anscheinend nicht mal Mitglied sein. RollstuhlfahrerInnen müssen sich aber die steile Treppe hinunterheben lassen.

Interessante Themen

Bei einem Webmontag gibt’s erst eine Stunde “Ankommen” (es wurden 1 ½, mit Bier und offenem Gesprächsklima aber ganz kurzweilig), dann Kurzvorträge, dann informelle Diskussion mit Pizza statt der MacBooks auf den Knien. Wissen wurde bereitwillig geteilt, die Pizza nicht. Diesmal gings um Mikroformate, Web Accessibility, den Amazon Webservice Amazon Elastic Compute Cloud EC2 und Zielgruppenrelevante Ideen für Web 2.0.

Mikroformate

Mikroformate sind standardisierte Auszeichnungen von bestimmten Textsorten auf Webseiten. Der HTML Code wird mit semantischen class Angaben versehen (z.B. class=”family-name”). Damit erhält eine Adresse mit Name, Straße etc. oder ein Event mit Titel, Datum, Ort… eine maschinenlesbare Bedeutungsstruktur. Eine mit dem Mikroformat für Kontaktdaten ausgezeichnete Adresse kann dann z.B. von Suchmaschinen gut gefunden oder mit einem Stadtplan synchronisiert werden. Sobald man auf die Adresse klickt, pinnt es einem eine Stecknadel an den zugehörigen Standort auf der eingebetteten Googlemap. Nett!
Diese semantische Auszeichnung ist auch aus Accessibility Sicht interessant.
Die begrenzten Möglichkeiten von HTML torpedieren aber die Semantikidee. Für die Barrierefreiheit kontraproduktiv ist die extensive Verwendung von span Tags oder die schlicht falsche Verwendung von Tags wie abbr (dem Tag für Abkürzungen) für Datumsangabe. Die Weiterentwicklung von HTML muss hier Abhilfe schaffen. Ein anregendes Referat war das von Eric Eggert. Ein gutes Tutorial zu Mikroformaten gibt es von Stefan Münz.

Alles was Sie schon immer über Web Accessibility wissen wollten

Das versprach der Kurzvortrag von Shadi Abou-Zahra vom W3C. Geboten wurde jedoch einmal mehr nur eine kleine Basiseinführung. Ich finde es schade, dass die kompetentesten Referenten zu dem Thema immer noch davon ausgehen, dass man auch bei techniknahem Publikum null Hintergrundwissen voraussetzen darf.
Vielleicht bin ich betriebsblind, aber WebdesignerInnen und -entwicklerInnen, die 2007 immer noch nicht wissen, dass Bilder Alternativtexte brauchen, Code valide sein soll, Tabellenlayout eher passé ist und Webstandards existieren, sind von vorgestern, haben keinen Berufsethos und sollen sich von mir aus erschießen.

Wie soll das Thema Barrierefreies Internet breiteres Interesse in Fachkreisen finden, wenn alle, die es promoten, sich auf dem Niveau von Einführungsworkshops ausruhen. Wir brauchen anspruchsvolleren Input: Zugängliches Javascript, screenreadertaugliches Ajax, PDFs und Flash taggen, Videos untertiteln: wer kann das? Statisches HTML einigermaßen barrierefrei zu strukturieren ist mit ein wenig gutem Willen ein Kinderspiel.

Amazon Elastic Compute Cloud EC2

Die Amazon Elastic Compute Cloud war und ist mir trotz Fabian Topfstedts gutem Vortrag ein spanisches Dorf. Amazon verkauft längst nicht mehr nur Bücher und 39 andere Produktkategorien. Es bietet auch Web Services an, wie z.B. diese EC2, eine virtuelle Computer Umgebung. Ich wüsst nicht, was ich damit täte, aber wer riesige, skalierbare, superschnelle und sichere Serverlösungen benötigt und nicht viel Geld ausgeben will, solls ausprobieren: aws.amazon.com.

Zielgruppenrelevante Ideen fürs Web 2.0

Was macht den Erfolg all der hippen Web 2.0 Anwendungen aus? Reicht einfache Bedienbarkeit? No na, es braucht auch einen klaren Usernutzen und eine besondere Attitüde, referierte Avin Fathulla. Wird das zuletzt allenthalben erwähnte Twitter sich durchsetzen oder braucht das keiner? Damit kann man übers Internet Nachrichten in SMS Länge verschicken, mit dem Handy, an Handys und an die Twitter Homepage. Im 5 Sekunden Abstand kann man dort nachlesen, was wildfremde Leute oder die eigenen Freunde grad eben tun.
So einfach geht das, dass es auch die eigene Mutter versteht, zeigte sich Robert Lender begeistert. Ob sie es auch nutzen wird, ist fraglich. Um vorzuspielen, dass man allerlei damit machen kann, hat er den Webmontag live mitgetwittert: http://twitter.com/RobLen
Und irgendjemand hat daneben gleich ein kleines Programm geschrieben, das SMS verschickt, wenn der Sensor an der Metalab Tür grad gemessen hat, dass sie offen oder verschlossen ist: http://twitter.com/metastate.

Fazit: Ein verspielter Zugang, engagierte, ambitionierte, nette junge Leute, anregende Diskussion, auch noch mit Shadi zu WAI Themen (danke schön!): ein interessanter Montag Abend.

6 Reaktionen zu “Webmontag 26.3.2007”

  1. Robert Lender

    Danke für den ausführlichen Bericht und den Link auf mein Blog. Sooo begeistert bin ich nun wieder nicht, ich bin einfach nur interessiert was mit dieser Anwendung und was nicht. Das “live mittwittern” war ein Experiment und wird in Bälde in meinem Blog auch kritisch gewürdigt. Bezüglich meiner Mutter (die internetmäßig sogar mehr drauf hat, aber als Beispiel – ich hätte auch Vater sagen können – herhalten musste) meine ich noch immer, dass Twitter eine viel niedrigere Einstiegsschwelle bietet als eine Blogsoftware. Das macht die Anwendung noch nicht sinnvoll, aber das ist ein anderes Thema.
    Apropos Mutter/Vater. Dieses “Mißverhältnis” bei den TeilnehmerInnen ist mir auch aufgefallen – Ich habe mir vorgenommen mal die Web Montage anderer Städte zu durchforsten um zu sehen, ob das prinzipiell so ist.
    Bezüglich “erschießen”. Abgesehen, dass ich das niemanden wünsche, würde es ganz schön durch Österreich knallen. Leider erlebe ich noch viele Webdesginer(-Firmen), die genau auf diesem Niveau noch immer kein Wissen und Erfahrung haben bzw. massive Vorurteile mit sich herumtragen.
    Dem Fazit kann ich natürlich nur zustimmen.

  2. Eva Papst

    Zitat: “Statisches HTML einigermaßen barrierefrei zu strukturieren ist mit ein wenig gutem Willen ein Kinderspiel.”

    An diesem Statement bin ich hängen geblieben und möchte dem hinzufügen: Ja, für ein Dutzend ExpertInnen vielleicht. Das Gros findet anscheinend weder Geschmack an griffigem Markup noch an ausreichenden Meta-Daten oder gar flexiblem Layout. “Abwärtskompatibilität mit Netscape 4.7″, “Ein Table-Layout kann doch keine Barriere sein”, “Wozu braucht man auf jeder Seite einen individuellen Seitentitel?”, “Was bringt Validität des Codes denn für bessere Zugänglichkeit?”, “Reicht nicht level A?” … Ich könnte zig solcher Argumente und Fragen anführen, mit denen ich immer wieder konfrontiert bin. Es mag ja sein, dass ein paar ExpertInnen ungeduldig auf Workshops wie “Accessibility für Fortgeschrittene” warten, aber so lange ich damit beschäftigt bin zu erklären, wozu Sprungmarken da sind und dass diese, wenn auch meist unsichtbar, trotzdem ordentlich strukturiertes Markup und nicht nur div und span brauchen und so lange die halbe Welt glaubt, die Möglichkeit der Schriftvergrößerung sei vorwiegend für stark sehbehinderte Menschen, die ohnehin ein Spezialprogramm haben, so lange werde ich die Basics wiederholen – in der Hoffnung, dass sich niemand aus Langeweile erschießt, die/der längst mehr haben möchte. :-)

    Und um es mal deutlich zu sagen: Nicht vorrangig die Accessibility-Features sind es, die den Preis beim Relaunch und damit die natürliche Abneigung gegen das Thema WAI-Konformität in die Höhe treiben, sondern noch mehr die Beseitigung der “Sünden” aus er Vergangenheit, die aufgrund der hohen Browser-Toleranz nicht bemerkt oder ignoriert worden sind. Klar ist Accessibility nicht gratis – schon gar nicht, wenn man auf Qualität Wert legt, aber – und damit komme ich zum obigen Zitat zurück -: Mit dem entsprechenden Knowhow kann man eine Menge unnötiger Kilometer und damit Kosten sparen – und Fortbildung gehört eigentlich in jedem Job zum Grundprogramm. Das ist auch in der Webbranche so (siehe Web 2.0). Aber, um es ein wenig provokant zu formulieren: Man beschäftigt sich eben doch lieber mit technischen Spielereien als mit den Basics guter Zugänglichkeit. Ich habe durchaus Verständnis dafür, weil ich selbst einen ausgeprägten Spieltrieb habe – nach den Hausaufgaben, versteht sich. Und mit “Hausaufgaben” meine ich nicht nur Accessibility, sondern auch gute Usability, die allen hilft. Oft werden nämlich Techniken wie Ajax auch dazu eingesetzt, um Mängel in der allgemeinen Usability auszugleichen. Klar, dass sie dann jeder als hilfreich einstuft.

    Aber vielleicht ist das ja schon wieder ein eigenes Thema.

  3. Shadi Abou-Zahra

    Du würdest staunen wie oft ich Fragen wie “Blinde können einen Computer verwenden?”, “ist nicht die Assistierende Technologie zuständig?” oder “es gibt kaum Audio-Inhalte, warum sind Gehörlose betroffen?” höre. Leider ist es Heute noch nötig mit Aufklärungsarbeit zu beginnen um ein basis-Verständniss zu haben.

    Beim Vortrag musste ich aber nicht so weit zurück greifen, die Aufklärung schien relativ hoch zu sein. Jedoch schien es mir nötig die Motivation für Barrierefreiheit zu besprechen. Gar nicht um die EntwicklerInnen im Raum zu überzeugen, sondern viel mehr um ihnen Argumente zu geben damit sie in ihre Firmen etc das mitteilen und hoffentlich umsetzen können.

    In einen der nächsten Termine werde ich mir vornehmen einen Vortrag über “Accessible Rich Internet Applications (ARIA)” zu halten -eins der Ansätze um AJAX und andere dynamische Inhalte Barrierefrei zu machen. Barrierefreies JavaScript wäre auch ein Thema, ist aber oft schwierig für so kurze Vorträge…

  4. Maria Putzhuber

    Apropos Kinderspiel: damit meinte ich die technische Machbarkeit, ich wollte keineswegs professionelles, WAI konformes HTML / CSS Coding herabwürdigen. Es ist eine anspruchsvolle, vielfach unterschätzte Qualitätsarbeit.

    @ Eva und Shadi: Basis Aufklärung zum Thema ist sicher noch lange nötig. Aber es wird, kommt mir vor, in Österreich nichts anderes geboten. Hab wohl selber zuviele Einführungs-Workshops gehalten und keine Lust mehr, immer wieder dasselbe wiederzukäuen. Ich bewundere euch also eh für eure unverdrossenen pädagogischen Ambitionen.

    Eva muss ich ein bisschen Rosen streuen. Was sie präsentiert, ist immer sehr anschaulich, anlass- und praxisbezogen. Und was sie schreibt zum Thema Accessibility aus Betroffenensicht gehört mit zum spannendsten im deutschen Sprachraum. Die kompetenteste Referentin wird also vom Rundumschlag ausgenommen.

    Shadi: Freu mich auf jeden Impuls.

  5. Webmonday Vienna - March 27, 2007 « manolotalks

    [...] 29th, 2007 · No Comments On Monday evening I was on my first Web Monday. You can find a very good review (in German) onMain_web. It was a very interesting experience for me, I met a lot of great people, such as Robert who is organizing the upcoming Webplausch in Vienna. I had the chance to talk with the founder of the website http://www.meinprof.de and the initiator of the Metalab, which hosted the event and wants to become a hub for startups and entrepreneurs in the near future. The presentations at this event were really interesting, especially the one from  on unlimited web accessability and the one from Fabian about Amazon Elastic Compute Cloud EC2. I did not understand everything they were talking about, especially the presentation by Eric about microformats, but overall I am very happy that I ve been there and if I dont have the chance to join the next Web Monday in Vienna, I ll definitely go to the one in Munich. See you either in Vienna or Munich. [...]

  6. Gerhard

    Dokumente sinnvoll auszuzeichnen und barrierearm zu gestalten stellt eben für viele Webautoren eine große Barriere dar…

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