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6. März 2007, von Michaela Mallinger

Louvre setzt auf Zugänglichkeit für alle

Der Louvre in Paris zählt zu den bedeutendsten Museen der Welt. Seit etwa fünf Jahren wird intensiv daran gearbeitet, barrierefreiere Angebote zu setzen. Um die Zugänglichkeit zu verbessern wird eine umfassende Strategie verfolgt, die neben zugänglichen Angeboten, die Auseinandersetzung mit Behinderung in der Kunstgeschichte und eine gezielte Öffentlichkeitsarbeit zur Erreichung von Menschen mit Behinderungen umfasst.

Im Rahmen des Lehrgangs für inklusive Kommunikation und barrierefreie Public Relations war kürzlich Matthieu Decraene bei MAIN zu Gast. Er ist im Louvre für Public Relations für die Zielgruppe Menschen mit Behinderungen und Barrierefreiheit zuständig und hat uns einen Einblick gegeben, was im Louvre unternommen wird, um für ein breiteres Publikum zugänglich zu werden.

Matthieu Decraene beim LiNK_pr-Workshop

Matthieu Decraene (Bild Mitte) beim LiNK_pr-Workshop mit Französischdolmetscherin und Gebärdensprachdolmetscher.
(Foto: Firlinger/MAIN)


Ich halte diesen umfassenden und strategischen Ansatz für sehr interessant. Deshalb hier ein paar Eindrücke aus dem Workshop. Ich selbst konnte die Zugänglichkeit des Louvre noch nicht testen. Vielleicht gibt es ja Erfahrungen eurerseits.

Barrierefreiheit mit Strategie

Im Louvre wird Zugänglichkeit auf drei Ebenen betrachtet und vorangetrieben: im baulichen Bereich, in der Ausstellungsgestaltung und in Belangen der Kommunikation. Dass Hürden in der Zugänglichkeit auf diesen drei Ebenen wahrgenommen werden, halte ich für einen sehr wichtigen Schritt. Denn wer z.B. tolle Angebote setzt und diese nicht oder falsch kommuniziert wird kaum interessierte Leute erreichen und die besten Aktivitäten werden nur Insidern vorbehalten bleiben.

Der Louvre machte deshalb mit einer breit angelegten Kampagne auf die Zugänglichkeit seiner Angebote aufmerksam. Mit Plakaten, Foldern und intensiver Medienarbeit wurde versucht neue Besucherinnen und Besucher ins Museum zu locken. So werden etwa eine Tastgalerie, Workshops und Führungen für Menschen mit Lernschwierigkeiten angeboten oder Kulturevents wie die Nacht „Berühren um zu sehen“ veranstaltet, die für alle Museumsgäste ein Kunsterlebnis der anderen Art bieten, oder Tage gestaltet, an denen verschiedenste Ausstellungen durch gehörlose KünstlerInnen präsentiert werden.

Bewusstsein schaffen

Damit solche Angebote auch wirklich funktionieren, werden die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Louvre geschult. Eine große Herausforderung in einem Betrieb, der über 2.000 Personen beschäftigt. Angeboten werden Eintagesschulungen mit Basiswissen und Selbsterfahrung rund ums Thema Behinderung. In der Kulturvermittlung sind gehörlose ExpertInnen, und Fachleute für Audiodeskription und Kunstvermittlung für Menschen mit Lernschwierigkeiten beschäftigt.

Barrierefreiheit gibt es nicht

Im Louvre wird Barrierefreiheit als Prozess verstanden. Hürden bestehen noch viele. Damit Angebote und Kommunikationsstrategien gezielt verbessert werden können, wurde eine Studie mit einem detaillierten Zugänglichkeits-Audit durchgeführt.

Ein Problembereich der Kommunikation liegt derzeit noch in der nicht barrierefrei benutzbaren Homepage. Ein Relaunch ist in Arbeit. Damit sich Menschen mit Behinderungen trotzdem über aktuelle Angebote informieren können, setzt Decraene auf einen Newsletter, gezielte Kooperation mit und Information von Verbänden und die Präsenz auf einem Online-Veranstaltungskalender, der sämtliche barrierefrei zugänglichen Veranstaltungshinweise bereitstellt.

Echte Zeichen setzen

Im Bereich der Barrierefreiheit sind unterschiedlichste Symbole und Piktogramme in Gebrauch. Durch die Auswahl dieser Symbole wird transportiert, wie Menschen angesprochen werden. So gibt es etwa für Gehörlosigkeit das Symbol mit einem durchgestrichenen Ohr oder die Hände, die Gebärdensprache symbolisieren. Der Louvre hat sich für zweiteres entschieden und setzt so ein positives Zeichen in der Kommunikation, wie ich meine.

Zeichen anderer Art sind Gütesiegel, von denen es reichlich viele gibt. In Frankreich wurde das Siegel „Tourisme et Handicap“ entwickelt, das für einen gewissen Standard an Barrierefreiheit steht. Museen werden neben dem gesetzlichen Auftrag zur sozialen Inklusion durch diese Auszeichnung, die auch anderen, für TouristInnen interessanten Einrichtungen wie Restaurants verliehen wird, motiviert, Schritte für mehr Zugänglichkeit zu setzen. Wenn Barrierefreiheit Teil einer allgemeinen Auszeichnung für Qualität wird, hielte ich das für einen guten Ansatz. Denn dann hieße gute Qualität Barrierefreiheit inklusive.

2 Reaktionen zu “Louvre setzt auf Zugänglichkeit für alle”

  1. Martin Ladstätter

    Ich war 1989 im Louvre und schon damals war der Louvre – im Vergleich zur damaligen Situation in Wiens Kulturstätten – sensationell gut. Aufzüge, ein schöner Eingang bei der damals neuen Glas Pyramide und benützbare WCs. Das blieb mir in guter Erinnerung, weil Paris war damals so schlecht wie Wien.

  2. Lukas Huber

    Ich war auch vor einem Jahr in Paris. Ein gehörloser Museumsführer im Louvre (auch im Notre Dame, Conciergerie und Versailles gewesen) hat in internationaler Gebärde geführt, die von allen gehörlosen Touristen aus Europa verstanden wird. Ich kann es selber bestätigen, im Louvre die Piktogramme für gebärdende Hände gesehen zu haben. Das war schon etwas besonderes.

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