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23. Februar 2007, von Michaela Mallinger

PR-Strategien, die noch fehlen

Kürzlich erhielt ich eine Anfrage der deutschen Zeitschrift für Museumspädagogik „Standbein – Spielbein“, ob ich einen Beitrag zum Thema PR für barrierefreie Kulturangebote schreiben könnte. Ich nahm an.

Dass die Aufgabe keine einfache ist, war mir bewusst, denn PR für barrierefreie Kulturangebote gibt es in Österreich weder als Fachdisziplin noch kann man auf einen praktischen Erfahrungsschatz zurückgreifen. Also stellte ich mir die Frage nach dem „Warum?“ für diese Situation und nach der Bedeutung inklusiver PR im Kulturbereich, die ich für diskussionswürdig halte. Deshalb hier einige Gedanken dazu:

“Menschen mit Behinderungen gehören noch nicht zur Zielgruppe”

Den Ausgangspunkt bildet für mich die österreichische Situation, die ich aus eigener Erfahrung und Perspektive einer sehbehinderten kulturinteressierten Frau kenne. Kulturangebote und maßgeschneiderte Infos für mich als Vertreterin der so genannten „Zielgruppe“ der Menschen mit Behinderungen sind keineswegs die Regel, sondern wenn es diese gibt leider noch eine freudige Überraschung.

In Österreich müssen also Menschen mit Behinderungen grundsätzlich davon ausgehen, dass ein Museum wenig für sie zu bieten hat. Und dies, obwohl ein großer Personenkreis von einer barrierefreien Informationsgestaltung in den Kunst- und Kulturstätten profitieren würde. Dennoch werden Bedürfnisse, die über die des so genannten Durchschnittsbesuchers hinausgehen, bislang kaum berücksichtigt.

Einer der Gründe dafür ist, dass Menschen mit Behinderungen (noch) nicht als Zielgruppe von Kunst- und Kulturangeboten wahrgenommen werden. Sie werden somit auch nicht als Dialoggruppen der kulturellen Public Relations und Kommunikation mitbedacht. Zwar gibt es Versuche einer inklusiv gestalteten Öffentlichkeitsarbeit für barrierefreie Kulturangebote. Diese beschränken sich aber in Österreich noch auf Einzelaktivitäten.

Wer keine Angebote setzt, wird in der Kommunikationsarbeit Menschen mit Behinderungen auch nicht ansprechen. Ein erster Ansatz könnte jedoch sein, die eigenen Angebote zu durchforsten und auf ihre Benutzbarkeit zu prüfen. Wer sich solche Fragen stellt, hat Menschen mit Behinderungen als Dialoggruppe erkannt und wird feststellen, dass es einen großen Kommunikationsbedarf an Informationen gibt, die für Menschen mit Behinderungen interessant sind.

Unternehmen und Einrichtungen, die z.B. mit ihrer Online-Kommunikation auch Menschen mit Behinderungen ansprechen wollen, beantworten auf ihrer Website gleich vorneweg einige wichtige Fragen, etwa ob ein Gebäude für RollstuhlfahrerInnen zugänglich ist, ob und wo es Behindertenparkplätze gibt, ob Assistenzhunde erlaubt oder ob die Räumlichkeiten auch mit rollstuhlgerechten WCs ausgestattet sind. Vielleicht stehen zusätzlich Gebärdensprachvideos oder Bildbeschreibungen bereit. Damit diese Infos bei den BesucherInnen des virtuellen Museumsportals auch ankommen, ist eine barrierefreie Gestaltung der Homepage Voraussetzung.

Die Bedeutung von PR und inklusiver Kommunikation ist aus meiner Sicht zentral. Sie spricht neue Personengruppen an, lockt sie ins Museum und macht Inhalte wahrnehmbar.

Barrierefreie PR als Strategie

Die Auseinandersetzung mit inklusiver PR und zugänglichen Kulturangeboten hat für mich die Bedeutung strategischer Konzepte für die Umsetzung inklusiver PR in Unternehmen verdeutlicht. Eine solche Strategie zieht sich durch verschiedenste Unternehmensbereiche und reicht vom Leitbild über die interne Kommunikation, den Sprachgebrauch, die Gestaltung von PR-Materialien bis hin zur barrierefreien Organisation von Veranstaltungen.

Ein gutes Beispiel für eine solche Strategische Realisierung ist für mich das Victoria & Albert Museum in London, das ich in einem früheren Beitrag bereits erwähnt habe. Hier werden behinderte Gäste sowohl im Online-Portal als auch mit dem so genannten „Access Guide“, der auch in Braille erhältlich ist, umfassend informiert. Im Web werden unter dem Menüpunkt „Your Visit / Disability” Infos über Erreichbarkeit, Assistenz-Angebote für den Museumsbesuch, „Touch Tours“, Führungen in Gebärdensprache oder z.B. die Möglichkeit mittels Audioguide für blinde Menschen eine Ausstellung auf eigene Faust zu erkunden, präsentiert. Dabei handelt es sich nicht um selten stattfindende Spezialangebote, sondern um eine Strategie, die das Museum für Menschen mit Behinderungen attraktiv macht.

Strategische Konzepte für barrierefreie PR nehmen Menschen mit Behinderungen als Kundinnen und Kunden ernst, setzen umfangreiche Informationsangebote und machen auf zugängliche Ausstellungsangebote aufmerksam. Diese Strategien müssen in Österreich erst entwickelt und eingefordert werden. Sie würden es erlauben, behinderte oder ältere Menschen und insgesamt ein breiteres kulturinteressiertes Publikum gezielt anzusprechen und zu erreichen.

Wir schauen uns deshalb nach guten Beispielen für gelungene inklusive PR- und Kommunikationsstrategien um und werden diese demnächst hier vorstellen. Wenn Sie Erfahrungen mit der strategischen Umsetzung von Barrierefreiheit im Kulturbereich haben oder Kulturbetriebe kennen, die Menschen mit Behinderungen als Kundinnen und Kunden ansprechen, dann lassen Sie doch die Blog-Gemeinde daran teilhaben.

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