6. Februar 2007, von Maria Putzhuber
barcamp Kärnten Nachlese
Technik, Web 2.0 und Social Software
Mit leichter Skepsis bin ich hingefahren: eine selbstorganisierte Nichtkonferenz in Klagenfurt, wo jede und jeder vortragen darf, keine namhaften ReferentInnen, ein lückenhaftes Programm (eigentlich sollte ein barcamp ja vorab gar keins vorgeben) und viele Sponsorenlogos: was soll das werden außer einer Werbeveranstaltung und provinzielles Nachspielen eines amerikanischen Metropolen Events?
Und dann wars tatsächlich ein Ereignis, das Programm so bunt wie das Publikum: für Hardcore TechnikerInnen vielleicht ein wenig zu basic, für die Marketing-, PR und Medienmenschen und alle, die sonst noch hingefunden haben, vielleicht eine Spur zu technisch, aber schlussendlich doch für alle viel dabei, professionelle Vorträge und angeregte Diskussionen.
Ich habe eine Menge Horizonterweiterndes gehört und war fasziniert davon, plötzlich Teil eines funktionierenden Tauschbasars von freiem Wissen zu sein.
Barrierefreiheit – wasn das?
Zu unserem Spezialgebiet gabs eine 3/4 Stunde lebhafte Diskussion in einem bescheidenen 1/2 Stunden Redeslot. Bescheidenheit, der Kardinalfehler der Frauen: das Interesse war groß, die Zeit zu kurz und einmal mehr war Basisinformation gefragt alá wie kommen Blinde denn überhaupt ins Internet, und Antwort auf Statements wie “Das ist doch alles viel zu aufwendig”. Das MAIN Team Beate Firlinger und Brigitta Aubrecht ist darob richtig emotional geworden und ich wurde ganz entspannt: hatte eher damit gerechnet, mit Fragen zur Screenreadertauglichkeit von Ajax und zu den Multimedia Richtlinien der WCAG 2.0 konfrontiert zu werden.
Virtuelle Kommunikation ist einfacher als reale
Schräg fand ich die vielen gefährlich schief auf den Knien junger Männer balancierenden Laptops, weil ich einer Generation angehöre, die noch weitgehend mit Schreibmaschine und ohne Internet studiert hat. Was taten die Knaben da eigentlich die ganze Zeit?
Sie haben live mitgebloggt natürlich und die Liveblogbeiträge ihrer Freunde gelesen. Vielleicht haben sie auch schnell die 769 barcampkaernten Fotos auf flickr hochgeladen, den 26 Sekunden Schwenk des ORF auf YouTube gestellt oder nebenbei aus Langeweile ein kleines neues Softwareteilchen programmiert… Einer hat auch der Referentin über Zeitmanagement eine Nachricht in ihre XING Mailbox geschickt: er sitze gerade in ihrem super Vortrag, ob sie ihn eventuell zu ihren Kontakten hinzufügen möchte.
Beim gesponserten Kasnudelessen habe ich einen dieser coolen Laptoptypen darauf angesprochen und er sagte, er habe sich einige Blogs der Teilnehmer vorher angesehen und ja, das sei schon lustig, wenn man von einem wildfremden Menschen wisse, dass seine Katze gerade gestorben sei. Da könne er jetzt aber schlecht hingehen und herzliches Beileid wünschen, einen Kommentar im Blog hinterlassen: “may she rest in peace”, könne er aber sehr wohl.
Viel Gratisarbeit, aber Spaßfaktor großgeschrieben
Es gibt mehr BloggerInnen in Österreich (in Deutschland sowieso) als ich bisher wusste, Fachblogs auch hier mittlerweile, Netzwerk und Marketinginstrument, nicht nur persönlicher Meinungs- und Befindlichkeitssenf und rein privates Vergnügen. Von der Generation Praktikum bis zu den nur noch schwer in reguläre Jobs vermittelbaren 40+, sie basteln alle im Internet an ihrem ExpertInnenstatus. Ausbildung reicht nicht mehr, wer bloggt, sich in Foren und Mailinglisten engagiert, bei Open Source Projekten mitmacht, an jeder nur erreichbaren Konferenz teilnimmt, kriegt vielleicht auch mal bessere Arbeit und größere Aufträge. barcampen gehört auch dazu, die Community pflegen, eine Mischung aus Altruismus und Kalkül, Geben und Nehmen, aber cool muss es sein, Spaß muss es machen und die Unabhängigkeit lassen. Vereinnahmen lassen sich diese zumindestens virtuell sehr mündigen BürgerInnen nicht so leicht.









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Am 6. Februar 2007 um 14:50 Uhr
Freut mich, dass wenigstens du bei unserem Auftritt entspannt warst, liebe Maria