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19. Dezember 2006, von Michaela Mallinger

Multi-Medial ungenutzte Möglichkeiten

Zeitung zum Hören, News in Gebärdensprache oder Video-Blogs bieten Information und aktive Beteiligung an der Wissensgesellschaft für alle Sinne. Diese neuen multimedialen Tools und die Möglichkeiten des so genannten Web 2.0 erfreuen sich immer größerer Beliebtheit. Völlig neue Zugänge zu Information bieten diese Technologien für Menschen mit Behinderungen, wenn sie barrierefrei angeboten werden. Doch machen die österreichischen Medien für meinen Geschmack erst recht zaghaft von diesen Möglichkeiten gebrauch.

Ich habe mich umgeschaut, auf welche Art und Weise internationale Medien ihre Inhalte für mehrere Sinne zugänglich anbieten und ob Medien Menschen mit Behinderungen mit ihrem Online-Angebot als Zielgruppe ansprechen. Vielleicht holt sich ja der eine oder andere eine kleine Anregung oder kann weitere Beispiele beisteuern.

BBC sei zu beginn positiv erwähnt. Dieses Medienunternehmen bietet neben Sendeleisten, die sich an Menschen mit Behinderungen richten auch entsprechende Web-Channels. „Ouch“ nennt sich das kritisch-humorvolle Livestyle-Magazin rund ums Thema Behinderung, das auch mit einen Blog und Podcast aufwartet. Auch Web 2.0 und die Weiterentwicklungen der Medien und deren Zugänglichkeit ist BBC ein Blog wert.

Ein für meinen Geschmack ansprechendes Zeitungs-Hörerlebnis bietet die Wochenzeitung „die Zeit“ mit ausgewählten aktuellen Artikeln zum Hören. Gelesen werden die Artikel von Schauspielern. Ein zwar kostenpflichtiges, aber wirklich brauchbares und genussreiches Service zu finden unter audio.zeit.de/ Dass dieses Service besonders für sehbehinderte Menschen interessant ist, ist der Zeit vielleicht gar nicht bewusst, denn die Barrierefreiheit ist meinem Eindruck nach noch ausbaufähig. Feedback dazu würde mich sehr interessieren.

Für die Verbreitung von Infos und Unterhaltung in Gebärdensprache würde sich Web-TV hervorragend eignen. Der TV-Sender Phönix sendet meines Wissens nach als einziger TV-Sender via Videostream Informationssendungen in Gebärdensprache. Ein Beispiel eines special interest-Mediums dafür ist Focus-5.tv, das Informationen für gehörlose Menschen bietet. Auch der ORF bietet die Nachrichtensendung ZIB 1 via Sat-TV in Gebärdensprache an. Online gibts aber nur ZIB1 ohne Gebärdensprache.

Als Diskussionsplattformen und frei zugängliche Medien etablieren sich neben Weblogs auch Foto-Blogs und Video-Logs, auch VLogs genannt. Im englischsprachigen Raum werden VLogs zur Diskussion in Gebärdensprache genutzt. Ein beispiel dafür ist www.youtube.com Auf der Suche nach deutschsprachige VLogs bin ich leider nicht fündig geworden. Auch hier auf dem MAIN_blog GEGEN UNFAIR soll es zukünftig Videobeiträge in Gebärdensprache geben. Wer Erfahrung mit VLogs hat und/oder Beiträge in ÖGS zu barrierefreier Kommunikation hier im Blog veröffentlichen möchte, schreibe uns an info@mainweb.at

Diese Beispiele sollen zeigen, dass es viele ungenutzte Möglichkeiten gibt, Informationen erfahrbar zu machen. Spannend und nützlich sind diese Zugänge für viele Personen, wie etwa das wachsende Angebot an Podcasts zeigt. Barrierefrei benutzbar sind leider viele dieser Angebote noch nicht.

Für eine besonders spannende Sache halte ich barrierefreie multisensorische Lösungen, die Inhalte für alle Sinne zugänglich machen, also in Text, Bild und Ton anbieten. Hinweise gelungener Webauftritte willkommen!

2 Reaktionen zu “Multi-Medial ungenutzte Möglichkeiten”

  1. Lukas Huber

    Es sollten nicht nur Gebärdensprache, sondern auch zuschaltbare Untertitel für alle hörbehinderte Menschen angeboten werden.

    Ein gutes Beispiel für ein VLog ist jenes von der Gallaudet University (derzeit einzige Gehörlosenuniversität weltweit in Washington DC) in Amerikanischer Gebärdensprache und englischer Untertitelung. Die Untertitelung wird im Videofilm exakt gleich wiedergegeben, wie man sie im US-Fernsehen sieht.
    http://pr.gallaudet.edu/presidentialsearch/?ID=9954

    In Deutschland bietet die Fernsehredaktion des WDR ein Web-TV Angebot besonderer Art für hörbehinderte Menschen an und sendet fortlaufend Beiträge mit deutscher Untertitelung und Dolmetschung in Deutscher Gebärdensprache.
    http://www.wdr.de/themen/homepages/webtv.jhtml

    Folgender Bericht über die Krise an der Gallaudet University enthält Links zu den zwei VLogs, zwei davon in Deutscher Gebärdensprache, eine davon teilweise in Amerikanischer Gebärdensprache.
    http://www.oeglb.at/?id=LH2006-12-06-2412

    Neben Focus-5.tv sind auch das norwegische ZOOM (in internationale Gebärden) und spectrum-11 (in Deutscher Gebärdensprache, teilweise mit deutscher Untertitelung) weitere special-interest Medien:
    http://www.zoom.coip.no/
    http://www.spectrum-11.de/

    Und aus den USA noch ein sehr interessantes Projekt. Dort können Videos von Usern online übersetzt werden – diese Videos (z.B. der Uraltfilm “Superman”) können so mit Untertiteln in allen möglichen Sprachen online betrachtet werden.
    http://www.dotsub.com/

  2. ALee

    Es ist wichtig und richtig, daß auf Ihrer Seite von den Chance der neuen Technik die Rede ist. Und natürlich sollten ausnahmslos alle Menschen an den neuen Kommunikationsformen teilhaben können.

    Trotzdem frage ich mich, was sich die Menschen eigentlich mitteilen möchten, wenn es irgendwann in ferner Zukunft keine Barrieren mehr gibt? Vielleicht daß sie gerne ein gemeinsames Projekt angehen möchten? Und Brief oder Telefon in der Steinzeit der Kommunikation nicht geeignet waren, um die ganze Sache zu koordinieren?

    Oder werden sie die neuen Kanäle einfach nur nutzen, um schnell und effizient mitzuteilen, daß sie in Ruhe gelassen werden wollen?

    Grüße von Rhein und Neckar

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