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12. Dezember 2006, von Michaela Mallinger

Eintritt frei?

In Österreich sind Museen bekanntlich kostenpflichtig. Menschen mit Behinderungen kommen häufig in den Genuss ermäßigter Eintrittspreise. Die Palette reicht hier vom vollen Preis bis hin zum freien Eintritt.

Ein Wiener Museum hat einen bislang ungewöhnlichen Weg der Preisgestaltung gewählt. Für behinderte BesucherInnen gelten die vollen Eintrittspreise, AssistentInnen oder Begleitung haben freien Eintritt, damit den BesucherInnen keine Mehrkosten für Assistenzbedarf und einen interessanten Museumsbesuch entstehen.

Diese Form der Preisgestaltung stößt bei vielen BesucherInnen mit Behinderungen auf Unverständnis. Die Idee, keine „positive Diskriminierung“ für Menschen mit Behinderungen zu schaffen und Menschen mit Behinderungen nicht gleich an der Kassa mit einem Almosen, sondern mit einem Signal behinderte Personen als gleichwertige MuseumsbesucherInnen zu empfangen, kommt bei einigen BesucherInnen nicht gut an.

Meine persönliche Meinung dazu ist, dass ich mir nicht erwarte, dass ich aufgrund meiner Behinderung freien Eintritt in sämtliche Kultureinrichtungen genieße. Für meinen Geschmack ist es wichtiger, Rahmenbedingungen und Angebote zu schaffen, die Menschen mit Behinderungen zugänglich sind. Wenn ich natürlich als behinderte Person keinerlei für mich nutzbare Angebote vorfinden würde, wäre ein voller Eintrittspreis fragwürdig.

Wie fühlen Sie sich durch volle oder ermäßigte Eintrittspreise von einem Museum als Besucher/in angesprochen? Erwarten Sie sich als behinderte/r Museumsbesucher/in ermäßigten oder freien Eintritt?

Noch ein Nachsatz dazu. Grundsätzlich würde ich freien Eintritt für alle ins Museum wunderbar finden. Es gibt nämlich Länder, so z.B. Großbritannien, wo viele Museen freien Eintritt bieten. Das lockt die Menschen ins Museum und schafft Nähe zwischen Kunst und Mensch und macht keinen Unterschied zwischen zahlungskräftigen und mittellosen Kulturinteressierten.

7 Reaktionen zu “Eintritt frei?”

  1. Johannes Reiss

    Hallo Michaela,
    stimme dir zu 100% zu, vor allem was die Notwendigkeit der Rahmenbedingungen und Angebote betrifft! Hinsichtlich des freien Eintritts wäre ich allerdings vorsichtiger, weil Museen sich im Normalfall nicht selbst erhalten können, und die Eintrittspreise – insbesondere in heutigen Zeiten, in denen die eigene Wirtschaftlichkeit der Museen laut propagiert wird – eine enorm wichtige, wenn auch im Vergleich zum Gesamtaufwand oft nur kleine Einnahmequelle darstellt. Freie Eintritte – so sinnvoll und gut sie grundsätzlich sein mögen und sind (!) – kleinere Museen würde das sehr schnell umbringen … zumindest so lange nicht umfassendere Konzepte mit den Subventionsgebern entwickelt werden.
    herzlichst johannes

  2. Michaela Braunreiter

    Kulturangebote mit wirtschaftlichem Erfolg zu bewerten halte ich für problematisch, auch wenn es immer mehr zur Realität wird. Was ich aber anregen möchte ist, Personengruppen, die bislang scheinbar kaum als potentielle und interessierte Museumsbesucherinnen und -besucher wahrgenommen wurden, aktiv anzusprechen und natürlich auch entsprechend gestaltete Angebote zu setzen. Das könnte Museen für neue Zielgruppen attraktiver machen und ist es nicht eigentlich die Aufgabe von Museen, Kultur für möglichst viele Frauen, Männer und Kinder zugänglich zu machen?

    Verbilligte Eintrittspreise nehmen da die Anbieter eher aus der Pflicht, Angebote so zu gestallten, dass sie auch für Menschen mit Behinderungen nutzbar sind. “Denn wer nichts zahlt, dem brauchen wir auch nichts bieten”, kann da die schnelle praktische Schlussfolgerung sein. Genau das wünsche ich mir aber nicht. Dass behinderte Personen als Kundinnen und Kunden ernst genommen werden, sollte sich über die möglichst barrierearmen Angebote zeigen.

  3. Gerhard

    Eine sehr gute Idee, die sicher bald Nachahmer finden wird.

  4. August Mandana

    Sg. Damen und Herren!

    Sie wissen gar nicht wie gut sie es in Europa haben!!!!
    Ich lebe seit 21 Jahren in Kenya und ich wuensche ihnen bei Gott nicht hier einen Tag als Behinderter Mensch zu verbringen!!!!!

    Europa hat das beste Sozialnetz auf dieser Erde!!

    Wenn hier ein Maedchen Schwanger wir bekommt sie 0 vom Staat und der Kindesvater ist ueber alle Berge ohne Alimentezahlungen oder Staatliche Unterstuezung!!

    Das gleiche gilt fuer Behinderte Menschen!!!!!!!!!

    Kwuaheri

    Euer

    August

  5. Manfred W.K. Fischer

    Nun. Wenn ich als Rollstuhlnutzer den vollen Zugang zu allen Ausstellungsbereichen eines Museums habe, dann bin ich gerne bereit den vollen Eintrittspreis zu bezahlen.

    Denn. Ein Museum ist keine Stelle zur sozialen Unterstützung von behinderten Menschen, sondern eine Kultureinrichtung.

  6. Kornelia Götzinger

    Daß man in Museen den vollen Preis zahlen muß sehe ich schon ein, nur wie sieht der Eintrittspreis aus, wenn – wie im Leopold Museum – ein Balkon in einem hohen Raum eingebaut ist, und dort auch Bilder aufgehängt sind, die, weil kein barrierefreier Zugang, in sitzender Position nicht zu besichtigen ist – ausser man nimmt sich einen Feldstecher mit.

  7. Karl-Heinz

    Hallo habe eine tolle HP – http://www.behindertenvertrauensperson.at entdeckt – hier gibt es unter TIPP “Ermäßigungen für Menschen mit Behinderung” und vieles aus dem Behindertenbereich

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