16. Juni 2006, von Beate Firlinger
Hola Barcelona
Im Vergleich zu anderen Städten ist Barcelona vermutlich nicht rückständig, was die barrierefreie Gestaltung des öffentlichen Raums betrifft. Schließlich wurde in der katalanischen Hauptstadt schon vor mehr als 10 Jahren, genau am 24. März 1995, die bekannte “Erklärung von Barcelona” anlässlich des Europäischen Kongresses “Die Stadt und die Behinderten” verabschiedet. Darin sind eine Reihe von weit reichenden Vereinbarungen festgehalten, in denen sich die unterzeichnenden Kommmunen zu Barrierfreiheit und Inklusion in einem umfassenden Sinne bekennen.
Die Stadt und die behinderten Menschen
So heißt es etwa unter Punkt X der Barcelona-Erklärung: “Die Kommunen ergreifen im Rahmen ihrer Befugnisse Maßnahmen zur Umgestaltung von öffentlichen Plätzen und Gebäuden und Dienstleistungen aller Art sowie zum Abbau von Sprachbarrieren dahingehend, dass sie von behinderten Personen in vollem Umfang geltend gemacht werden können.”
Oder unter Punkt XVII: “Die Kommunen setzen Maßnahmen um, die der Vereinheitlichung und Verallgemeinerung von Reglements und Vorschriften sowie der Verbreitung von Zeichen und Symbolen und anderen Informationsträgern für jeden Behinderungstyp dienen, um so die Integration von Menschen mit Behinderungen zu erleichtern und ihnen die gleichen Chancen einzuräumen, wie sie Nicht-Behinderte haben.”
Zum Nachlesen des gesamten Textes: Die deutschsprachige Übersetzung der Erklärung von Barcelona “Die Stadt und die behinderten Menschen” findet sich etwa auf der Website der Beauftragten für Behindertenfragen der Stadt Graz oder auf der des Landesbeauftragten für Behinderte der Stadt Berlin.
Beach ohne Barrieren
Bei meinen Besuchen in Barcelona stach mir immmer wieder die öffentliche Präsenz von Behinderten-WCs ins Auge, beispielsweise auch am Strand von Barceloneta, einem ziemlichen angenehmen Ort zum Ausspannen mitten im Großstadttrubel.
Foto: Firlinger
Einige Websites zu den barrierefreien Angeboten der Stadt Barcelona bieten auch Infos in englischer Sprache, etwa accessiblebarcelona.com oder Barcelona Accessible, wo auch aktuelle Nachrichten zu lesen sind, zum Beispiel, dass Barcelona TV die Zugänglichkeit seiner Kommunikationsangebote für hörbehinderte Menschen verbessern will und nun in der Sendung “Hola Barcelona” ein tägliches News Bulletin in katalanischer Gebärdensprache und Kinderprogramme mit Untertitelungen bringt.
Unzugänglichkeit mit Plan
Umso interessanter ist das Barcelonaer Projekt canal*ACCESSIBLE, das bei der diesjährigen ARS Electronica mit der Goldenen Nica in der Kategorie “Digital Communities” ausgezeichnet wird.
In der Begründung zur Vergabe der Goldenen Nica an die Community aus Barcelona heißt auf der Website der ARS Electronica:
“canal*ACCESSIBLE thematisiert, wie sein Name andeutet, die Zugänglichkeit bzw. Unzugänglichkeit in der Topographie der Umgebung gehbehinderter Menschen und nimmt die Stadt Barcelona als Beispiel. 40 Personen, die selbst behindert sind, dokumentieren Probleme auf ihrem Weg durch die Stadt mit Bildern und teilweise auch Tonaufnahmen; diese werden auf der Website dokumentiert, auf einem Stadtplan verortet und können in der Folge mittels Suchfunktion abgerufen werden. Damit entsteht ein Plan des für RollstuhlfahrerInnen unzugänglichen Barcelona, von Teilen der Stadt, die Menschen mit Behinderungen nicht offenstehen. … Auf canal*ACCESSIBLE wurden bislang 3578 bauliche Barrieren und Stolpersteine dokumentiert – “Empowerment” von benachteiligten Bevölkerungsgruppen einmal nicht als leere Phrase.”
Anlässlich der Preisverleihung an canal*ACCESSIBLE am 4. September 2006 in Linz wird es auch eine Diskussion zum Thema “Barrieren” geben. Wir werden demnächst auf www.mainweb.at dazu informieren.









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