25. Mai 2006, von Beate Firlinger
My Way? Anmerkungen zu ‘Wien barrierefrei entdecken’
“Wien barrierefrei entdecken” nennt sich ein neuer Stadtführer für mobilitätseingeschränkte Personen, der im März 2006 von der ITS Wien Laube GmbH herausgebracht wurde. Leider hält der Titel nicht, was er verspricht. Denn wer anhand dieser Broschüre tatsächlich das barrierefreie Wien erkunden möchte, wird vor allem eines entdecken: lückenhafte Angaben und eine eigenwillige Auswahl an Lokalen und Lokalitäten, die mehr oder großteils weniger den Standards der Barrierefreiheit entsprechen. Von ExpertInnen wurde der Wienführer daher auch recht kritisch rezensiert. So listet etwa Manfred Srb in BIZEPS-INFO online nach einigen Pluspunkten eine Reihe von informativen Schwachstellen auf und meint: “Dieses Büchlein ist eine herbe Enttäuschung und das ist wirklich schade.”
Einer der Kritikpunkte gilt den angeführten “barrierefreien” Gastronomie-Angeboten. Diese sind vielfach für RollstuhlfahrerInnen nicht nur nicht zugänglich, sondern im Einzelfall auch noch speziell hürdenreich, da sie über (nicht rollstuhlgerechte) WCs verfügen, die nur über Stufen erreicht werden können. Abgesehen davon finden viele (der ohnedies zu wenigen) wirklich barrierefreien Wiener Gaststätten in dem Stadtführer keine Erwähnung, etwa die Lokale im Museumsquartier.
Im Gegensatz dazu wurde beispielsweise das Café-Restaurant “My Way” in der Gumpendorferstraße mit einem Eintrag bedacht. Ein Beisl, bei dem es sich jedenfalls nicht gerade um ein touristisch-gastronomisches Highlight der Wienerstadt handelt, wie sich bei einem gemeinsamen Besuch mit RollstuhlfahrerInnen vor einiger Zeit zeigte. Wohl war der Zugang zum Lokal stufenlos, die Bedienung angesichts der Gäste im Rollstuhl aber äußerst unfreundlich. Mag sein, dass sich daran etwas geändert hat. Das wäre zu recherchieren. Die Motivation für einen neuerlichen Lokalaugenschein hält sich jedoch vorerst in Grenzen.
Warum allerdings Lokale wie das “My Way” in den Wienführer aufgenommen wurden und andere nicht, bleibt rätselhaft und legt eine Assoziation nahe. Vielleicht ist die Publikation ja – frei nach Frank Sinatra – einfach unter dem Motto “I did it my Way” erstellt worden. Ob sich dieses Motiv allerdings auch eignet, um die Qualität und Standards der Barrierefreiheit zu beschreiben und weiter zu entwickeln, erscheint mir mehr als zweifelhaft.









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